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Lehrermangel hausgemacht: Warum wir die Teilzeit-Realität an Schulen endlich anpacken müssen

Leovinus (CC0), Pixabay
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Der vielzitierte Lehrermangel in Deutschland ist in weiten Teilen ein selbst verschuldetes Problem – und niemand traut sich, es klar zu benennen: Ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer arbeitet nicht in Vollzeit. Bundesweit liegt die Teilzeitquote bei über 40 %, bei Lehrerinnen zum Teil sogar bei über 60 %. Das ist einer der höchsten Werte in allen Berufsgruppen – mit massiven Folgen für das gesamte Bildungssystem.

Wer über zu große Klassen, Unterrichtsausfall und überlastete Kollegien klagt, sollte nicht nur nach neuen Studienplätzen oder Quereinsteigern rufen – sondern sich der unbequemen Realität stellen: Wären mehr Lehrkräfte bereit oder in der Lage, Vollzeit zu arbeiten, würde sich der „Lehrermangel“ schlagartig relativieren.

Verpasste Stunden, verfehlte Politik

Was diese Teilzeitwelle konkret bedeutet? Zehntausende Stellenäquivalente fehlen, obwohl die Köpfe da sind. In Zahlen: Wenn nur die Hälfte der Teilzeit-Lehrkräfte auch nur vier Stunden pro Woche mehr unterrichten würde, könnten rechnerisch Tausende Unterrichtsausfälle vermieden werden.

Aber das Problem wird seit Jahren ausgesessen – aus falsch verstandener Rücksicht, politischem Opportunismus oder schlicht Trägheit in den Kultusministerien. Während der Unterrichtsausfall wächst, Schulqualität sinkt und Bildungsungerechtigkeit sich verschärft, bleibt eine zentrale Stellschraube unangetastet.

Systematisch gefördert – und ignoriert

Teilzeit ist in vielen Schulen längst zum Standardmodell geworden. Ob zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder wegen der enormen Belastung im Schulalltag – das Argument ist verständlich. Doch eine derart hohe Quote, wie sie im Schuldienst herrscht, wäre in jedem anderen systemrelevanten Beruf unvorstellbar.

Stellen wir uns vor, 60 % der Ärztinnen und Ärzte in Kliniken würden auf Teilzeitbasis arbeiten – das Gesundheitssystem wäre längst kollabiert. Bei Lehrkräften aber gilt das scheinbar als Normalzustand.

Länder in der Pflicht: Schluss mit der Teilzeit-Idylle

Die Verantwortung liegt glasklar bei den Bundesländern. Sie sind für die Personalpolitik im Schulwesen zuständig – und haben es versäumt, die Entwicklung zu steuern. Es fehlt an:

  • klaren Vollzeit-Anreizen, etwa durch Arbeitszeitmodelle mit Entlastung statt Reduktion,

  • transparenter Erhebung und Nutzung von Kapazitäten,

  • konsequentem Controlling und einer offenen Debatte über Zumutbarkeit und Pflicht gegenüber dem öffentlichen Bildungsauftrag.

Stattdessen herrscht Schweigen. Wer das Thema anspricht, wird schnell in die Ecke der „Sozialkalten“ oder „Lehrergegner“ gestellt. Doch das ist falsch – denn auch die überlasteten Vollzeit-Lehrkräfte zahlen den Preis für das Ungleichgewicht. Genauso wie die Schüler, deren Recht auf Bildung jeden Tag durch strukturelles Wegsehen untergraben wird.

Fazit: Teilzeit darf kein Tabu sein – aber auch kein Dogma

Natürlich ist Teilzeit in bestimmten Lebenslagen legitim und notwendig. Aber ein System, das auf strukturelle Teilzeit baut, ohne die Folgen zu korrigieren, ist nicht reformfähig. Wer ernsthaft etwas gegen den Lehrermangel tun will, muss nicht nur in Ausbildung investieren, sondern vor allem in Arbeitsbedingungen, die Vollzeit attraktiver machen – und Teilzeit realistischer begrenzen.

Die Kultusministerien müssen endlich handeln. Sonst bleibt der „Lehrermangel“ nicht nur ein Schlagwort, sondern ein hausgemachtes Desaster mit Ansage.

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