Am kommenden Sonntag verwandelt sich die malerische Wachau wieder einmal in das, was sie mittlerweile am besten kann: eine Bühne fürs Spektakel – diesmal mit Laufschuhen statt Weintrauben. Der Wachaumarathon geht über die Bühne – pardon, über die Bundesstraße B3, und mit ihm rollen wieder Millionen durch die Region. Nicht etwa in Förderungen, sondern in Hotelbetten, Schnitzeltellern und Social-Media-Posts mit Donaublau im Hintergrund.
7.500 Läufer – und mindestens doppelt so viele Kreditkarten
Was aussieht wie ein sportliches Event, ist längst ein wirtschaftlicher Hochleistungsmotor. 7.500 Läuferinnen und Läufer – dazu Familien, Freunde, Follower. Hotels sind ausgebucht, die Wirtshäuser voll, die Weinregale leer. Die Region verdient, und zwar nicht zu knapp. Zahlen? Gibt’s keine. Braucht’s auch nicht, man spricht ja von „Millionen“ – und wer will da schon kleinlich nachrechnen?
Bernhard Schröder, Chef der Donau-Tourismusgesellschaft, strahlt: „Zimmervermittlung ist in dieser Zeit schwer – alles ausgebucht!“ Ein Satz, der in seiner Welt vermutlich den Status eines Wirtschafts-Nobelpreises hat.
Ein bisschen Stau, viel Imagepflege – und alle posten mit
Natürlich, es gibt auch Meckerer: Hoteliers, die über gesperrte Straßen jammern, Winzer, die früher nervös wurden, wenn der Marathon in die Weinlese fiel. Doch das ist laut offizieller Lesart Vergangenheit. Denn heute weiß jeder: Wer beim Marathon nicht verdient, bekommt zumindest Likes auf Instagram. Und Likes sind bekanntlich der neue Weinabsatz.
Emmerich Knoll jun. vom Winzerverband Vinea Wachau schlägt den versöhnlichen Ton an: „Wir setzen uns mit einem Glas in den Weingarten und schauen zu.“ Die neue Gelassenheit der Weinwirtschaft – man kann es sich ja leisten. Auch wenn niemand genau sagen kann, wie viele Flaschen tatsächlich durch den Marathon mehr verkauft werden. Macht nichts – das Image zählt.
Bananen mit Punktlandung – und logistischer Nervenkitzel
Wer denkt, ein Marathon sei nur Laufen und Schwitzen, hat noch nie eine Tonne Bananen auf Reifegrad getimed. Julian Unfried, Obsthändler und Bananenflüsterer der Region, liefert seit Jahren das süße Gold für erschöpfte Sportler. Der Reifezeitpunkt sei entscheidend, sagt er: „Die müssen sich leicht schälen lassen.“ Klingt banal, ist aber High-Stakes-Bananenlogistik.
Denn während andere über Streckenrekorde reden, denkt Unfried über Lagerung, Transport und den exakten Reifegrad am Tag X nach – sonst bleibt die Banane auf der Strecke.
Fazit: Wenn 42 Kilometer zur regionalen Kapitalrendite werden
Der Wachaumarathon ist längst mehr als ein Sportevent. Er ist ein laufender Wirtschaftsfaktor mit hohem Werbewert, idealer Markenpflege und eingebauter Imagepolitur für die Region. Wo sonst Tourismusstrategen monatelang an „Destination Branding“ tüfteln, reicht hier ein Startschuss – und schon rennen sie alle mit: Touristen, Medien, Unternehmer, Influencer.
Ein Marathon für die Kassen, fürs Image und für das gute Gefühl, dass alles fließt – am liebsten entlang der Donau.
Kommentar hinterlassen