Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran hat eine ganze Region erschüttert. Besonders stark spüren das die Staaten am Persischen Golf – darunter Kuwait, ein kleines, wohlhabendes Land, das plötzlich erneut in den Strudel eines großen Konflikts geraten ist.
Erinnerungen an den Golfkrieg werden wach
Für viele Kuwaitis weckt die aktuelle Lage schmerzhafte Erinnerungen an 1990, als der irakische Diktator Saddam Hussein das Land überfiel. Innerhalb weniger Tage besetzten irakische Truppen Kuwait und übernahmen die Kontrolle über dessen wichtige Ölfelder.
Der damals folgende erste Golfkrieg hinterließ tiefe Spuren. Tausende Soldaten und Zivilisten starben, die Infrastruktur wurde zerstört, und beim Rückzug setzten irakische Truppen die Ölfelder in Brand. Schwarze Rauchwolken verdunkelten monatelang den Himmel über dem Land.
Diese Erfahrung prägt Kuwait bis heute – ebenso wie die enge militärische Zusammenarbeit mit den USA, die seitdem mehrere Stützpunkte im Land betreiben.
Iranische Angriffe treffen auch Kuwait
Durch diese US-Präsenz ist Kuwait nun indirekt in den aktuellen Konflikt hineingezogen worden. Iranische Raketen- und Drohnenangriffe richten sich unter anderem gegen US-Militärbasen in der Region.
Dabei kamen bereits mehrere Menschen ums Leben, darunter sechs US-Soldaten, vier kuwaitische Soldaten und ein elfjähriges Mädchen, das durch herabfallende Trümmer einer Drohne getötet wurde. Zahlreiche weitere Zivilisten wurden verletzt.
Für das kleine Land ist die Bedrohung besonders greifbar: Kuwait liegt nur rund 80 Kilometer von der iranischen Küste entfernt.
Ölreichtum als strategisches Ziel
Die Staaten am Persischen Golf gehören zu den größten Ölproduzenten der Welt. Gerade dieser Reichtum macht sie aus Sicht vieler Experten zu möglichen Druckmitteln im Konflikt.
Iran versucht laut Beobachtern, durch Angriffe auf Energieanlagen und Schifffahrtsrouten die Ölpreise in die Höhe zu treiben. Steigende Energiepreise könnten wiederum wirtschaftlichen Druck auf die USA und Europa ausüben – mit dem Ziel, ein Ende des Krieges zu erzwingen.
Ein zentraler Schauplatz bleibt dabei die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öltransport-Routen der Welt.
Gelassenheit im Alltag – trotz Angst
Trotz der angespannten Lage versuchen viele Kuwaitis, ihren Alltag fortzusetzen. In den Souks und Cafés der Hauptstadt Kuwait-Stadt herrscht weiterhin reges Leben. Familien bereiten sich auf das Ende des Ramadan und das Eid-Fest vor.
Viele vertrauen darauf, dass die Luftabwehr des Landes die meisten Angriffe abfangen kann. Nach offiziellen Angaben werden rund 98 Prozent der Raketen und Drohnen abgewehrt.
Dennoch bleibt die Sorge, dass der Konflikt noch lange dauern könnte.
Ein Krieg, den Kuwait nicht wollte
Viele Menschen im Land sehen sich als unfreiwillige Zuschauer eines Konflikts, von dem sie weder politisch noch wirtschaftlich profitieren.
„Das ist ein Krieg, an dem Kuwait kein Interesse hat“, sagt ein ehemaliger Fluglotse in Kuwait-Stadt. „Und wer sich mit Iran anlegt, wird am Ende verlieren.“
Währenddessen blickt der 70-jährige Fischer Khalid Al-Ozaina auf den ruhigen Golf hinaus. Seine Boote liegen still im Hafen – aus Sicherheitsgründen darf derzeit nicht gefischt werden.
Für ihn ist klar: Der Krieg ist zwar noch nicht so zerstörerisch wie der von 1990.
Aber die Erinnerung daran zeigt, wie schnell sich die Lage in der Region dramatisch verändern kann.
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