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Kühne+Nagel reagiert auf Handelskrieg – bis zu 1.500 Jobs vor dem Aus

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay
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Der Schweizer Logistikriese Kühne+Nagel International AG steht vor einem tiefgreifenden Umbau: Nach einem massiven Gewinneinbruch im dritten Quartal 2025 kündigte das Unternehmen an, bis zu 1.500 Arbeitsplätze weltweit abzubauen. Der Traditionskonzern mit Sitz in Schindellegi (Schweiz) sieht sich mit einer anhaltenden Krise im Welthandel konfrontiert, ausgelöst durch neue Zoll- und Handelsbarrieren der USA.

Handelskrieg als Belastungsprobe

„Wir erleben derzeit eine strukturelle Verschiebung im globalen Warenverkehr“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Seit US-Präsident Donald Trump Anfang April hohe Zölle auf nahezu alle Handelspartner erhob, sei das Transportvolumen in die USA drastisch eingebrochen. Besonders betroffen ist das See- und Luftfrachtgeschäft, das traditionell zu den Kernbereichen von Kühne+Nagel zählt.

Der Konzern spricht selbst von einem „Handelskrieg“, der die internationalen Lieferketten zerrüttet habe. Viele Unternehmen hätten ihre Importe reduziert, Projekte gestoppt oder alternative Transportwege gesucht. „Wir stehen vor einer neuen Realität im Welthandel“, heißt es in der Mitteilung.

Gewinneinbruch zwingt zu Sparmaßnahmen

Die Folgen sind deutlich spürbar: Der Quartalsgewinn sank laut Finanzbericht um über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch der Umsatz schrumpfte – trotz stabiler Preise in Teilsegmenten wie der europäischen Landlogistik.

Um gegenzusteuern, kündigte Kühne+Nagel ein umfangreiches Spar- und Effizienzprogramm an. Neben dem Abbau von bis zu 1.500 Stellen sollen auch interne Strukturen verschlankt, Standorte zusammengelegt und Investitionen auf „strategische Zukunftsbereiche“ konzentriert werden – vor allem in den Bereichen Digitalisierung, automatisierte Logistiksysteme und nachhaltige Transportlösungen.

Sozialverträglicher Umbau geplant

Laut dem Unternehmen soll der Stellenabbau „so sozialverträglich wie möglich“ gestaltet werden. Man prüfe aktuell freiwillige Abfindungsangebote, Umschulungen und interne Versetzungen. Zudem sollen in besonders betroffenen Regionen – etwa in Nordamerika und Teilen Europas – Gespräche mit Arbeitnehmervertretungen aufgenommen werden.

Gewinnerwartung 2025 gesenkt

Parallel dazu hat Kühne+Nagel seine Prognose für das Geschäftsjahr 2025 deutlich nach unten korrigiert. Aufgrund der schwierigen geopolitischen Lage und des schwachen Frachtmarkts erwartet der Konzern nur noch einen Gewinn „deutlich unter dem Vorjahresniveau“.

Finanzchef Markus Blättler sprach von einer „doppelten Belastung“ durch sinkende Transportvolumen und steigende Kosten: „Wir sehen uns nicht nur mit geopolitischen Risiken konfrontiert, sondern auch mit Überkapazitäten, Preisdruck und schwankenden Energiepreisen.“

Branchenweite Krise

Kühne+Nagel ist mit mehr als 80.000 Mitarbeitenden in über 100 Ländern einer der größten Logistikkonzerne der Welt. Das Unternehmen gilt als Stimmungsbarometer für den globalen Handel. Branchenexperten warnen, dass die Probleme des Konzerns kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Entwicklung sind:

Auch Wettbewerber wie DHL, DB Schenker und Maersk haben zuletzt Umsatzrückgänge und Margenprobleme gemeldet. Der globale Frachtverkehr ist seit Mitte 2024 rückläufig – insbesondere im Handel zwischen den USA, Europa und China.

Experten sehen strukturelle Zeitenwende

Wirtschaftsanalysten werten die Entwicklung als möglichen Wendepunkt für die gesamte Logistikbranche. „Der internationale Güterverkehr wird derzeit politisch instrumentalisiert – das ist Gift für eine globalisierte Wirtschaft“, sagt Dr. Andrea Langen, Handelsexpertin am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Kühne+Nagel trifft es früh, aber der Dominoeffekt wird auch andere Branchen erreichen – vom Maschinenbau bis zur Konsumgüterindustrie.“

Fazit: Logistik im Stresstest

Für Kühne+Nagel beginnt damit eine der schwierigsten Phasen in der jüngeren Unternehmensgeschichte. Zwischen geopolitischen Spannungen, Marktüberkapazitäten und dem Druck zur grünen Transformation muss der Konzern den Spagat zwischen Sparzwang und Zukunftsinvestitionen meistern.

Die angekündigten Einschnitte sind ein deutliches Signal: Der globale Handelskrieg zeigt reale, wirtschaftliche Konsequenzen – und selbst ein Gigant der Logistik ist davor nicht gefeit.

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