Während die Welt unter den steigenden Temperaturen des Klimawandels ächzt, wächst der Bedarf an Klimaanlagen rasant. Doch herkömmliche Kühlsysteme sind selbst Teil des Problems – sie verbrauchen enorme Mengen an Strom und stoßen klimaschädliche Gase aus. Das Start-up MIMiC Systems aus Brooklyn arbeitet deshalb an einer vielversprechenden Alternative: Kühlen ohne Kompressor und ohne Kältemittel.
Klimakosten klassischer Kühlung
„Fast jede Klimaanlage basiert noch immer auf einer Technologie aus dem 19. Jahrhundert“, sagt MIMiC-Mitgründer Berardo Matalucci. Gemeint ist die Verdichtungskühlung, bei der Kältemittel in einem Kreislauf verdampft und verflüssigt werden – meist sogenannte Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW). Diese Gase sind laut Harvard-Professor Jarad Mason „um ein Vielfaches schädlicher als CO₂“.
Obwohl Kühlsysteme als geschlossene Systeme konzipiert sind, sind Leckagen weit verbreitet – mit dramatischen Auswirkungen: Allein Fluorkohlenwasserstoffe machen 2–3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen aus – in etwa so viel wie der gesamte Luftverkehr.
Die Lösung: Festkörper-Kühlung statt Gas
MIMiC setzt auf sogenannte Festkörper-Kühltechnologien. Statt Gase zu komprimieren, nutzt das Unternehmen Materialien wie Wismut, Tellur, Antimon oder künftig auch Silber und Selen, um elektronisch Wärme zu verschieben. Der Clou: Keine beweglichen Teile, kein Kältemittel, weniger Wartung – und ein deutlich geringerer ökologischer Fußabdruck.
Ein weiterer Vorteil: Die Geräte sind modular aufgebaut – sie funktionieren wie Bausteine, die sich zu größeren Systemen zusammenschalten lassen. So kann etwa ein einzelnes Zimmer, aber auch ein gesamtes Bürogebäude effizient gekühlt werden.
Noch teuer – aber vielversprechend
Zwar ist die Technologie noch nicht so effizient wie klassische Systeme – laut Mason schwankt der Wirkungsgrad („COP“) zwischen unter 1 und über 10, während konventionelle Geräte meist zwischen 2 und 6 liegen. Doch MIMiC arbeitet daran, die Effizienz weiter zu steigern – und hat erste Erfolge vorzuweisen:
Im August 2025 installierte das Unternehmen ein Pilotgerät in Vancouver – bei einem Menschen mit Querschnittslähmung, der auf zuverlässige Raumtemperaturkontrolle angewiesen ist.
Markt mit Potenzial
Der weltweite Markt für Klimaanlagen liegt derzeit bei 160 Milliarden Dollar und soll bis 2035 auf 308 Milliarden anwachsen. Zwar machen Festkörper-Systeme aktuell nur einen Bruchteil davon aus (unter 1 Mrd. Dollar), doch das Marktvolumen soll bis 2032 auf 4,55 Mrd. Dollar steigen.
Noch kostet ein MIMiC-Gerät etwa das Doppelte eines herkömmlichen Systems, doch Matalucci betont: „Wir investieren stark in Forschung und Entwicklung, um die Produktionskosten zu senken.“ Ziel sei eine erste Serienproduktion bis spätestens Anfang 2027.
Fazit
MIMiC steht stellvertretend für eine neue Generation von Klima-Innovationen: leise, emissionsfrei, ohne Verschleißteile – und mit dem Potenzial, einen echten Unterschied zu machen. In einer Welt, in der Kühlung immer mehr zum Grundbedürfnis wird, könnte diese Technologie die Art, wie wir Gebäude klimatisieren, revolutionieren.
Kommentar hinterlassen