Angesichts einer sich zuspitzenden Energiekrise hat die kubanische Regierung umfassende Sparmaßnahmen angekündigt. Die wirtschaftliche Notlage, verstärkt durch verschärfte US-Sanktionen, zwingt den Karibikstaat unter anderem zur Einführung einer Viertagewoche im öffentlichen Sektor.
Wie Vizeregierungschef Oscar Perez-Oliva Fraga gestern im staatlichen Fernsehen erklärte, sollen staatliche Betriebe künftig nur noch vier Tage pro Woche arbeiten. Zudem werde der Verkauf von Kraftstoff eingeschränkt, der öffentliche Nah- und Fernverkehr reduziert und der Stromverbrauch in öffentlichen Einrichtungen gesenkt. Ziel sei es, dringend benötigte Ressourcen zu schonen, um „die Grundversorgung und Funktionsfähigkeit des Landes sicherzustellen“, so Fraga.
Auch im Bildungs- und Tourismussektor sind Maßnahmen geplant. Schultage und Anwesenheitspflichten an Universitäten sollen verkürzt, einige touristische Einrichtungen vorübergehend geschlossen werden.
US-Sanktionen treffen Kuba hart
Ein zentraler Auslöser der aktuellen Krise sind die ausbleibenden Öllieferungen aus Venezuela, die traditionell ein bedeutender Energielieferant für Kuba waren. Seit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro bei einem US-Militäreinsatz Anfang des Jahres hat Washington die Lieferungen unterbunden. US-Präsident Donald Trump hatte dabei betont, auch Kuba ins Visier zu nehmen.
Ende Januar verschärfte Trump den Druck erneut: In einem Dekret drohte er Drittstaaten mit Strafzöllen, sollten sie weiterhin Erdöl nach Kuba liefern.
Tiefste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten
Kuba erlebt derzeit die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zerfall der Sowjetunion. Seit Ende 2024 kam es zu mindestens fünf landesweiten Stromausfällen, von denen einige mehrere Tage andauerten. In vielen Regionen kommt es regelmäßig zu stundenlangen Blackouts, teils über 20 Stunden am Stück.
Das Land, das nur rund 145 Kilometer südlich von Florida liegt, steht bereits seit 1962 unter einem US-Wirtschaftsembargo, das im Laufe der Jahre immer wieder verschärft wurde. Die aktuelle Energiekrise macht nun erneut deutlich, wie anfällig Kubas Wirtschaft für geopolitische Spannungen ist.
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