Die französische AMF, die österreichische FMA und die italienische CONSOB fordern eine stärkere europäische Regulierung der Kryptomärkte. Nach den ersten Monaten der vollständigen Umsetzung der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR) sehen die drei Aufsichtsbehörden dringenden Handlungsbedarf, um Anleger:innen besser zu schützen, Cyberrisiken einzudämmen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter zu stärken.
MiCAR als Fortschritt – mit Schwächen
Seit dem 30. Dezember 2024 gilt MiCAR EU-weit. Damit wurde ein einheitlicher Rechtsrahmen geschaffen, der Marktteilnehmer verpflichtet, vor Aufnahme ihrer Tätigkeit eine Zulassung einzuholen. Europa gilt damit als Vorreiter in der Regulierung von Kryptowerten.
Doch die ersten Monate zeigen: Trotz der Koordinierung durch die ESMA gibt es große Unterschiede in der nationalen Aufsicht. Diese Uneinheitlichkeit gefährdet sowohl den europäischen Binnenmarkt als auch den Schutz von Anleger:innen. Nationale Behörden könnten im Zweifel sogar gezwungen sein, vorsorgliche Maßnahmen gegen ausländische Anbieter zu ergreifen – ein Szenario, das der Idee eines integrierten europäischen Marktes widerspricht.
Vier Vorschläge für mehr Sicherheit und Einheitlichkeit
Um MiCAR wirksamer zu gestalten, haben AMF, FMA und CONSOB konkrete Vorschläge vorgelegt:
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Direkte ESMA-Aufsicht über große Kryptodienstleister
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Einheitliche Kontrolle auf EU-Ebene, um „Regulierungs-Shopping“ zu verhindern.
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Mögliche Senkung von Aufsichtskosten durch zentrale Strukturen.
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Schärfere Regeln für Drittstaaten-Plattformen
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Europäische Intermediäre sollen nur mit Plattformen zusammenarbeiten dürfen, die MiCAR-Standards oder gleichwertige Regeln erfüllen.
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Verpflichtende IT-Sicherheitsprüfungen
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Vor jeder Zulassung und in regelmäßigen Abständen.
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Fokus: Schutz von Vermögenswerten, Resilienz gegen Cyberangriffe, Management von Sicherheitsvorfällen.
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Mehr Rechtssicherheit bei Whitepapers
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Klarere Vorgaben für die Prüfung von Token-Whitepapers.
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Schaffung einer zentralen EU-Anlaufstelle für Einreichung und Aufsicht, um die paneuropäische Reichweite vieler Angebote besser abzudecken.
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Internationale Standards im Blick
Die Vorschläge orientieren sich auch an den Empfehlungen des Financial Stability Board (FSB) und der IOSCO, die bereits 2023 Leitlinien zur Regulierung von Kryptowerten veröffentlicht haben.
Stimmen der FMA
Die FMA-Vorstände Mariana Kühnel und Helmut Ettl unterstreichen die Dringlichkeit:
„Die MiCA-Verordnung setzt einen guten Rahmen, den die FMA konsequent umsetzt. Wir sehen jedoch, dass die Anwendung in der EU bislang uneinheitlich erfolgt. Ein regulatorischer Wettlauf nach unten wäre für die gesamte Union nachteilig. Deshalb sollten große Anbieter europaweit einheitlich beaufsichtigt werden – ähnlich wie bei der EZB-Bankenaufsicht.“
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