Seit Beginn des Krieges zwischen dem Iran, den USA und Israel bekommen viele Menschen im Iran nur eine stark kontrollierte Version der Ereignisse zu sehen. Staatliche Medien berichten über den Konflikt häufig selektiv, vermischen Fakten mit Propaganda und lassen wichtige Informationen weg.
Ein Beispiel dafür war der Tod des iranischen Religionsführers Ayatollah Ali Khamenei. Während internationale Medien bereits darüber berichteten, herrschte im iranischen Staatsfernsehen zunächst Stille. Offizielle Stellen bestätigten oder dementierten die Meldung nicht. Erst am nächsten Morgen berichteten staatliche Medien über seinen Tod – Stunden nachdem der US-Präsident dies bereits öffentlich bekannt gegeben hatte.
Staatliche Medien dominieren die Berichterstattung
Iran gehört laut der Organisation Reporter ohne Grenzen zu den Ländern mit den strengsten Einschränkungen der Pressefreiheit. Seit der Revolution von 1979 stehen Medien unter starker staatlicher Kontrolle. Viele internationale Nachrichtenorganisationen dürfen nicht aus dem Land berichten.
Die wichtigsten Informationsquellen für die Bevölkerung sind deshalb staatliche Fernsehsender, Radiosender und regierungsnahe Nachrichtenportale. Auch soziale Netzwerke werden genutzt, allerdings sind Plattformen wie Instagram, Telegram oder X oft nur über VPN-Verbindungen zugänglich.
Während politischer Krisen oder Konflikte kommt es häufig zu Internetabschaltungen, wodurch unabhängige Informationen noch schwerer erreichbar werden.
Fokus auf zivile Opfer und nationale Einheit
Analysen der ersten Kriegswoche zeigen, dass iranische Staatsmedien ihre Berichterstattung vor allem auf drei Themen konzentrieren:
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Leid der Zivilbevölkerung
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Aufrufe zur Vergeltung gegen ausländische Gegner
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Appelle an die Loyalität gegenüber der Regierung
Angriffe auf iranische militärische Einrichtungen oder Regierungsgebäude, die von den USA oder Israel durchgeführt wurden, werden dagegen deutlich weniger thematisiert.
Gleichzeitig verbreiten einige staatliche Medien überhöhte oder unbelegte Angaben über Verluste auf der Gegenseite. So berichtete eine regierungsnahe Nachrichtenagentur, Hunderte amerikanische Soldaten seien bereits in den ersten Kriegstagen getötet worden. Offizielle US-Angaben lagen jedoch deutlich niedriger.
Einsatz von KI und manipulierten Bildern
Auch künstliche Intelligenz spielt eine zunehmende Rolle in der Informationsstrategie. In sozialen Netzwerken verbreiteten staatliche Medien beispielsweise ein Video, das angeblich einen iranischen Angriff auf ein Hochhaus in Bahrain zeigen sollte.
Eine genauere Analyse ergab jedoch Hinweise darauf, dass das Video KI-generiert war. Experten sehen darin ein Beispiel dafür, wie moderne Technologien zunehmend für Propaganda und Desinformation eingesetzt werden.
Mischung aus Wahrheit und Propaganda
Gleichzeitig enthält die Berichterstattung nicht nur falsche Informationen. Teilweise veröffentlichen staatliche Medien auch authentische Bilder und Berichte über zivile Opfer von Angriffen.
So berichteten iranische Medien über einen Angriff auf eine Schule, bei dem zahlreiche Kinder und Mitarbeiter getötet wurden. Einige Kritiker hielten Bilder einer großen Beerdigung zunächst für manipuliert. Eine Analyse von Satellitenbildern bestätigte jedoch, dass die Aufnahmen tatsächlich real waren.
Experten warnen deshalb davor, Berichte aus iranischen Staatsmedien pauschal als falsch abzutun. Häufig würden wahre Informationen mit politischer Darstellung kombiniert, um eine bestimmte Sicht auf den Krieg zu vermitteln.
Schwierige Informationslage für die Bevölkerung
Für viele Menschen im Iran bleibt es daher schwierig, sich ein vollständiges Bild der Lage zu machen. Zwar verfolgen Millionen auch ausländische persischsprachige Sender, doch Zugang zu unabhängigen Informationen ist aufgrund von Zensur und Internetbeschränkungen oft eingeschränkt.
Beobachter empfehlen daher einen kritischen Umgang mit allen Quellen. Gerade in Kriegszeiten seien Informationen häufig Teil der politischen Strategie – nicht nur im Iran, sondern auch in anderen beteiligten Ländern.
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