Die Finanzmärkte reagieren zunehmend nervös auf den anhaltenden Krieg gegen Iran. Während die Ölpreise weiter steigen, geraten Aktien, Staatsanleihen und selbst der vermeintlich sichere Hafen Gold unter Druck.
An der Wall Street setzte sich der Ausverkauf am Freitag fort: Der Dow Jones verlor 444 Punkte (minus 0,96 Prozent), der S&P 500 sank um 1,51 Prozent, und der technologielastige Nasdaq büßte 2,01 Prozent ein. Besonders stark traf es kleinere Unternehmen: Der Russell 2000 fiel um 2,26 Prozent und rutschte damit offiziell in den Korrekturbereich – mehr als zehn Prozent unter seinem Hoch vom Jahresbeginn.
Auch der Nasdaq näherte sich zwischenzeitlich dieser Schwelle. Insgesamt markieren die aktuellen Kurse für S&P 500 und Nasdaq den tiefsten Stand seit September, der Dow fiel auf ein Niveau wie zuletzt im Oktober. Damit sind die Kursgewinne eines halben Jahres ausgelöscht.
Krieg treibt Öl – und die Angst vor Inflation
Zentraler Treiber der Entwicklung ist der Konflikt im Nahen Osten. Die Aussicht auf eine längere Eskalation lässt die Energiepreise steigen und schürt Inflationssorgen. Für Notenbanken weltweit wird die Lage damit komplizierter: Zinssenkungen rücken in weitere Ferne, stattdessen drohen länger hohe Zinsen.
Die Renditen von US-Staatsanleihen zogen entsprechend an. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg auf 4,39 Prozent – der höchste Stand seit Juli. Steigende Renditen machen Anleihen attraktiver und setzen Aktien zusätzlich unter Druck.
„Anfangs gingen Investoren von einem kurzen Konflikt aus“, erklärte Ökonom José Torres. „Doch mit der Eskalation schwindet die Hoffnung auf ein schnelles Ende – und die Verluste an den Märkten nehmen zu.“
Die Turbulenzen bleiben nicht auf die USA beschränkt: In Großbritannien kletterte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen über 4,9 Prozent – ein Niveau wie zuletzt 2008. Der Leitindex FTSE 100 verlor 1,44 Prozent.
Gold enttäuscht – Öl auf Mehrjahreshoch
Bemerkenswert ist die Schwäche des Goldpreises. Das Edelmetall fiel am Freitag um zwei Prozent und steuert auf den größten Wochenverlust seit 1983 zu – ein ungewöhnlicher Befund in Zeiten geopolitischer Krisen.
Ganz anders der Ölmarkt: Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 3,26 Prozent auf 112,19 Dollar pro Barrel – so hoch wie zuletzt im Sommer 2022. US-Öl notierte bei 98,32 Dollar.
Zusätzliche Verunsicherung brachte am Freitag ein Medienbericht, wonach die US-Regierung militärische Optionen prüft. Die Aussicht auf eine direkte Beteiligung der USA verstärkte die Kursverluste am Nachmittag.
Kein Boden in Sicht
Die negative Serie hält an: Dow Jones und S&P 500 verzeichneten jeweils die vierte Verlustwoche in Folge. Marktbeobachter sehen noch kein Ende der Abwärtsbewegung.
„Die Märkte suchen weiterhin nach einem Boden“, sagt Investmentchef David Laut. „Entscheidend ist, wie lange der Konflikt andauert – und wie stark die Ölpreise weiter steigen.“
Die Unsicherheit bleibt damit hoch. Anleger müssen sich auf anhaltende Schwankungen einstellen.
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