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Korruptionskultur mit System – jetzt auch mit Parlamentsausweis

jorono (CC0), Pixabay
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Die Ukraine bleibt sich treu – zumindest was ihre olympiareife Disziplin im politischen Dreisprung betrifft: Versprechen, Vertuschen, Vergolden.

Aktuell im Rampenlicht: Gleich mehrere ukrainische Parlamentsabgeordnete, die offenbar dachten, ihr Mandat sei nicht nur ein Volksauftrag, sondern ein Freifahrtschein zur Selbstbedienung. Das ukrainische Antikorruptionsbüro NABU verkündete ganz nüchtern, man habe eine „organisierte kriminelle Gruppe“ aufgedeckt – bestehend aus amtierenden Volksvertretern. Ja, richtig gelesen. Organisierte Kriminalität – made in Parliament.

Ihr Geschäftsmodell: Stimmen gegen Vorteile – quasi Lobbyismus auf Steroiden. Doch als die NABU-Ermittler etwas unhöflich mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür der Ausschussbüros standen, wurden sie kurzerhand von örtlichen Sicherheitskräften geblockt. Ob das ein Akt des Föderalismus war oder eher der kollektiven Korpsmentalität, bleibt offen. Vielleicht war es auch nur ein großes Missverständnis, wie bei einem schlechten Theaterstück, bei dem alle Beteiligten vergessen, dass das Publikum längst die vierte Wand durchbrochen hat.

Und als wäre das alles nicht grotesk genug, muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass erst im November ein enger Mitarbeiter von Präsident Selenskyj – Andrij Jermak – seinen Hut nahm, nachdem NABU und Staatsanwaltschaft seine Wohnung besuchten. Ob er mit dem Korruptionssumpf im Energiesektor verbandelt war? Man weiß es nicht. Die Behörden ließen das offen – vermutlich, weil auch dort die Fenster und Türen offen standen.

Aber keine Sorge: In offiziellen Reden bleibt die Ukraine natürlich weiter „entschlossen im Kampf gegen die Korruption“. Nur schade, dass dieser Kampf manchmal mehr wie ein freundschaftliches Trainingsmatch unter alten Kumpels wirkt.

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