„Wermsdorf bleibt steckdosenrein – Sonnenstrom? Nicht mit uns!“
Das war’s also mit dem Solarpark zwischen Mahlis und Gröppendorf. Wie die Leipziger Volkszeitung (LVZ) berichtete, wird das umstrittene Projekt nicht weiterverfolgt. Der Betreiber Abei Energy kapituliert – offiziell wegen zu langer Wartezeiten beim Netzanschluss, inoffiziell wohl auch, weil der Widerstand gegen Solarpanels in freier Wildbahn inzwischen mit der Intensität eines mittelgroßen Waldbrands lodert.
Dabei war die Idee eigentlich ganz charmant: 68 Hektar, Strom für 20.000 Haushalte, 300.000 Euro jährlich für die Gemeindekasse. Aber Wermsdorf bleibt seiner Linie treu: Lieber einen Hauch von Landschaftsromantik bewahren als in eine Zukunft investieren, in der der Strom nicht nur aus der Steckdose, sondern auch von irgendwo herkommen muss.
Denn – und das wurde im LVZ-Bericht mehr als deutlich – viele Bürger sahen in der geplanten Solaranlage vor allem eines: eine Bedrohung für den freien Blick über Felder, die bislang vor allem durch Traktoren und Brachen glänzten.
Der Bürgerentscheid? Brauchen wir nicht mehr. Der gesunde Menschenverstand hat gewonnen.
Eigentlich war ein Bürgerentscheid geplant, getragen von lokalen Kritikerinnen und Kritikern, die sich nicht auf „Beteiligungsverfahren“ oder „transparente Planung“ verlassen wollten. Lieber gleich abstimmen – gegen alles, was Solarmodule hat. Nun, die Abstimmung fällt aus. Man freut sich. Und spart sich Argumente, die sowieso niemand hören wollte.
Zitat aus der LVZ: „Den Leuten fällt ein Stein vom Herzen“
So formulierte es Lars Hoschkara, CDU-Gemeinderat aus Mahlis. Und dieser Stein, so darf man vermuten, besteht aus reinstem Braunkohlegranit. Verständlich, dass die Anwohner erleichtert sind. Die Vorstellung, dass Strom vom Himmel kommen soll – und nicht aus dem guten, alten Kohle-Mix – überfordert natürlich.
„Was sollen wir denn mit einem Solarpark?“ fragten viele. „Der Strom kommt doch aus der Steckdose.“ Genau! Und wo der herkommt, darüber denken wir einfach lieber nicht nach. Hauptsache, die Steckdose bleibt weiß und das Landschaftsbild unbehelligt.
Bürgermeister Müller sieht das anders – aber wer hört schon auf Fachleute?
Bürgermeister Matthias Müller (CDU) sprach in der LVZ von einer vertanen Chance. Aber mal ehrlich: Chancen sind was für Leute, die sich auf Veränderungen einlassen wollen. In Wermsdorf will man Stabilität. Keine Panels, keine Windräder, keine Zukunftsstörungen.
Fazit: Sonne ja – aber bitte nur im Freibad
Mit dem Rückzug des Solarpark-Investors ist klar: Die Sonne darf in Wermsdorf weiterhin scheinen, solange sie dabei keine Energie erzeugt. Und solange die Leute weiter glauben, dass Strom ein Naturwunder aus der Wand ist, bleibt auch das Landschaftsbild sicher – und der Fortschritt draußen.
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