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Kommentar eines Winterdienstmitarbeiters der Stadt Leipzig zur Kritik der Stadträte der Stadt Leipzig

geralt (CC0), Pixabay
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Ich arbeite im Winterdienst und kann diese ganze Kritik ehrlich gesagt nur noch schwer nachvollziehen.

Sobald es schneit, geht das Gemecker los. Aber wenn man sich die Beschwerden genauer anschaut, dann geht es am Ende oft nur um eins:
Die Leute sind sauer, weil nicht zuerst ihr Gehweg, ihre Straße oder ihr Radweg geräumt wurde.

Viele tun so, als müsste eine Großstadt wie Leipzig bitte 65 Minuten nach Beginn des Schneefalls komplett schneefrei sein. Das ist völlig realitätsfern.

Wir reden hier nicht über ein Dorf mit drei Straßen, sondern über eine Großstadt mit hunderten Kilometern Straßen, Kreuzungen, Brücken, Haltestellen, Gehwegen und Problemstellen. Und das alles soll von ein paar Mitarbeitern gestemmt werden, die oft unter schwierigen Bedingungen arbeiten, nachts rausmüssen, am Wochenende, an Feiertagen und dafür ganz sicher nicht fürstlich bezahlt werden.

Was viele offenbar vergessen:
Schnee fällt nicht nach Plan. Wenn es stark schneit oder länger friert, dann ist man im Einsatz und kaum ist eine Strecke fertig, ist die nächste schon wieder zugeschneit oder vereist. Das heißt: Wir arbeiten gegen Wetter, Zeit und begrenzte Technik. Und trotzdem wird so getan, als würde absichtlich nichts passieren.

Besonders ärgerlich finde ich die Kritik aus der Politik.
Da sitzen Stadträte mit ihrem Hintern im Warmen, geben Interviews und verteilen öffentlichkeitswirksam Schuldzuweisungen, statt mal ehrlich zu sagen, was Sache ist:
Mit begrenztem Personal, begrenzter Technik und schlechter Bezahlung kann man nicht gleichzeitig jede Straße, jeden Gehweg, jeden Radweg und jede Haltestelle sofort perfekt räumen.

Natürlich kann man über Verbesserungen reden. Mehr Technik, bessere Planung, mehr Personal gerne. Aber was da teilweise an unsachlicher Kritik kommt, ist einfach billig. Erst jahrelang sparen oder Probleme laufen lassen, und wenn es dann mal einen richtigen Winter gibt, wird auf die Leute eingedroschen, die draußen in Kälte, Schnee und Dunkelheit den Laden überhaupt am Laufen halten.

Und noch etwas:
Viele Gehwege, über die sich aufgeregt wird, sind gar nicht Sache der Stadtreinigung, sondern der Anlieger. Auch das wird in der öffentlichen Debatte gern vergessen. Stattdessen heißt es pauschal: „Die Stadt räumt nicht.“

Wir im Winterdienst machen unsere Arbeit.
Wir fahren raus, wenn andere noch schlafen.
Wir stehen bei Schnee und Eis draußen, während andere aus dem Fenster schauen und Kommentare schreiben.
Und dann dürfen wir uns anhören, wir hätten „versagt“, weil Leipzig nicht innerhalb einer Stunde komplett frei ist?

So ist Politik heute leider oft:
Unrealistische Erwartungen, schnelle Schlagzeilen und unsachliche Kritik auf dem Rücken derjenigen, die die eigentliche Arbeit machen.

Wer wirklich etwas verbessern will, sollte nicht zuerst den Winterdienst öffentlich an den Pranger stellen, sondern sich fragen:

  • Warum gibt es nicht genug Personal?

  • Warum ist die Bezahlung für solche harten Einsätze so schlecht?

  • Warum fehlt teilweise passende Technik?

  • Und warum wird bei jedem Schneefall so getan, als könne man Naturereignisse per Beschluss abschaffen?

Ein bisschen mehr Respekt für die Kolleginnen und Kollegen draußen wäre angebracht.

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