Das Handelsdefizit der USA ist im November regelrecht explodiert – ein Anstieg um satte 94,6 Prozent auf 56,8 Milliarden Dollar. Es ist der stärkste prozentuale Zuwachs seit 34 Jahren, und er trifft den Mann hart, der sich wie kein anderer zum selbsternannten „Schutzpatron der US-Wirtschaft“ stilisiert hat: Donald Trump.
Der republikanische Präsident, der einst mit markigen Slogans wie „America First“ und einer harten Handelspolitik gegen das Defizit ins Feld zog, muss sich nun eine unangenehme Frage gefallen lassen: Was hat diese Wirtschaftspolitik eigentlich gebracht?
Während Trump sich derzeit zunehmend auf die Weltbühne konzentriert – mit außenpolitischen Machtdemonstrationen, Prestigeprojekten und provokanten Auftritten – rutscht die wirtschaftliche Realität im Inland aus dem Fokus. Und genau das werfen ihm inzwischen immer mehr US-Bürger vor: zu viel Weltpolitik, zu wenig wirtschaftliche Substanz daheim.
Die Zahlen sprechen für sich: Die Exporte brechen ein, die Importe schießen in die Höhe. Besonders bemerkenswert ist der Importboom bei Kapital- und Konsumgütern – etwa bei Computern, Chips und Arzneimitteln. Zwar zeugt das von einer hohen inländischen Nachfrage und dem KI-Investitionsboom, doch das hilft wenig, wenn der Außenhandel per saldo zur Belastung wird. Das sogenannte „Trump-Defizit“ ist zurück – und stärker denn je.
Die von Trump angestrebten Handelsbilanzen mit „America winning again“ scheinen heute wie leere Versprechen aus einer Wahlkampfbroschüre von gestern. Seine Zollerhöhungen, vor allem gegenüber China, haben strukturell wenig verändert – sie haben die Handelsflüsse verzerrt, aber keine Trendwende bewirkt. Im Gegenteil: Die USA bleiben abhängig von Importen, gleichzeitig verlieren sie Exportanteile auf dem Weltmarkt.
Dass Trump nun erneut mit außenpolitischen Großprojekten Schlagzeilen macht, wirkt wie ein Ablenkungsmanöver. Doch im Herzen vieler Amerikaner wächst der Frust: Was nützt eine starke internationale Rhetorik, wenn die heimische Wirtschaft schwächelt?
Der Präsident muss sich entscheiden, ob er wirklich für „die einfachen Leute“ da ist – oder lieber Diplomatie im Stil eines Reality-TV-Formats betreibt. Die Botschaft aus den Handelszahlen ist klar: Trumps wirtschaftspolitische Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.
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