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Koalition erzielt Einigung beim Wehrdienstgesetz – Pistorius setzt vorerst auf Freiwilligkeit

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Die Bundesregierung hat ihren internen Streit über die Neuregelung des Wehrdienstes beigelegt. Damit steht nun fest: Das von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ausgearbeitete Wehrdienstgesetz soll wie geplant am morgigen Tag vom Bundeskabinett verabschiedet werden.

Noch vor wenigen Tagen war dieser Schritt unsicher. Hintergrund war ein formeller Einspruch von Außenminister Roderich Wadephul (CDU), der das Gesetz vorerst blockierte. Ein Regierungssprecher bestätigte nun, dass Wadephul seinen Widerstand zurückgezogen habe. Damit ist der Weg für die Regierungsentscheidung frei.

Pistorius: Wehrdienst auf freiwilliger Basis

Das Konzept des Verteidigungsministers sieht vor, dass junge Männer und Frauen künftig selbst entscheiden können, ob sie Wehrdienst bei der Bundeswehr leisten wollen. Pistorius betont, dass die Bundeswehr damit attraktiver für die junge Generation werden solle. Statt einer Pflicht setzt er auf eine verbesserte Ansprache, modernisierte Ausbildungsmöglichkeiten und finanzielle Anreize.

Das Ziel sei es, die Truppe zu stärken, ohne sofort auf eine verpflichtende Einberufung zurückgreifen zu müssen. Angesichts der internationalen Lage – insbesondere des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – will Pistorius die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und der NATO jedoch dauerhaft sichern.

Wadephul: Sorge um Personalbedarf

Außenminister Wadephul hatte einen anderen Ansatz vertreten. Er wollte im Gesetz verankern, dass die Wehrpflicht automatisch wieder eingeführt werden kann, falls nicht genügend Freiwillige gefunden werden. Nach seiner Einschätzung reicht das alleinige Prinzip der Freiwilligkeit nicht aus, um den hohen Personalbedarf der Bundeswehr langfristig zu decken.

Gerade in sicherheitspolitisch unsicheren Zeiten müsse Deutschland auf ausreichend Nachwuchs setzen können. Wadephul hatte daher gefordert, dass die Möglichkeit einer gesetzlichen Pflicht nicht völlig ausgeschlossen wird.

Einigung in der Koalition

Nach intensiven Gesprächen innerhalb der Bundesregierung hat Wadephul seinen Einspruch nun jedoch zurückgezogen. Offiziell begründet wurde dieser Schritt nicht, Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der Koalitionsfrieden gewahrt werden sollte. Ein offener Streit hätte die geplante Kabinettsbefassung verzögert und die Wehrdienstdebatte weiter aufgeheizt.

Damit bleibt es vorerst bei Pistorius’ Linie: Die Bundeswehr soll auf Freiwilligkeit setzen, flankiert von einer breiten Werbekampagne und neuen Ausbildungsformaten. Gleichwohl ist innerhalb der Koalition klar, dass die Personalentwicklung in den kommenden Jahren kritisch beobachtet werden muss. Sollte die Zahl der Freiwilligen nicht ausreichen, könnte die Frage einer Rückkehr zur Wehrpflicht erneut aufkommen.

Bedeutung für die Sicherheitspolitik

Die Debatte um den Wehrdienst hat eine weitreichende Symbolkraft. Sie spiegelt nicht nur den innenpolitischen Kurs der Ampel-Regierung, sondern auch die Anpassung Deutschlands an eine veränderte Sicherheitslage in Europa wider. Mit dem neuen Gesetz will die Regierung ein Signal setzen: Deutschland nimmt die Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeit ernst – sucht aber zugleich Wege, junge Menschen nicht mit einer Verpflichtung zu überfordern.

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