Redaktion:
Herr Högel, die BaFin hat heute gleich mehrere Warnungen zu dubiosen Geldanlagen veröffentlicht. Worum geht es konkret?
Maurice Högel:
Wir sehen derzeit leider ein Betrugsmuster mit Varianten.
Zum einen warnt die BaFin vor der Plattform TagesgeldPlus auf der Website tagesgeld-plus.net, die ohne Erlaubnis Tagesgeldanlagen anbietet und fälschlich behauptet, von der BaFin beaufsichtigt zu werden. Das ist schlicht falsch.
Zum anderen – und das ist besonders perfide – gibt es aktuell E-Mail-Angebote zu Fest- und Tagesgeld, die angeblich von einem gewissen „Ralf Neumann“ stammen und von der Adresse
angebote@raisin.de.com verschickt werden.
Hier handelt es sich laut BaFin um Identitätsdiebstahl.
Redaktion:
Warum ist dieser zweite Fall besonders gefährlich?
Högel:
Weil hier gezielt mit Vertrauen gespielt wird.
Der Name „Raisin“ ist vielen Anlegern bekannt – und genau darauf setzen die Betrüger. Sie verwenden täuschend ähnliche E-Mail-Adressen mit Zusätzen wie „raisin(.)de(.)com“, um Seriosität vorzutäuschen.
Das ist psychologisch clever, aber rechtlich glasklar:
Diese Angebote sind nicht erlaubt, nicht echt und hochriskant.
Redaktion:
Was sollten Anleger tun, die so eine E-Mail erhalten haben?
Högel:
Erstens: Nicht antworten. Nicht klicken. Nicht diskutieren.
Zweitens: Keine Daten und kein Geld überweisen.
Drittens: Die E-Mail sichern und den Fall bei der BaFin melden – und im Zweifel auch bei der Polizei anzeigen.
Ganz wichtig:
Seriöse Banken verschicken keine ungefragten Zinsangebote per E-Mail, schon gar nicht mit Formulierungen wie „exklusiv“, „nur heute“ oder „nur für ausgewählte Kunden“.
Redaktion:
Was gilt für Anleger, die bereits Geld überwiesen haben – etwa bei TagesgeldPlus?
Högel:
Dann heißt es leider: sofort handeln.
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Beweise sichern (Überweisungen, Mails, Screenshots)
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Strafanzeige erstatten
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Bank kontaktieren, ob eine Rückbuchung noch möglich ist
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BaFin und Verbraucherzentrale informieren
Je früher reagiert wird, desto größer ist zumindest die Chance, Zahlungswege nachzuverfolgen.
Redaktion:
Wie kann man sich künftig besser schützen?
Högel:
Drei einfache Regeln:
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BaFin-Unternehmensdatenbank prüfen:
Steht die Firma dort nicht drin, ist sie in Deutschland nicht zugelassen. -
Misstrauen bei Top-Zinsen:
Wenn ein Tagesgeldangebot deutlich über dem Marktniveau liegt, ist das kein Geschenk – sondern ein Warnsignal. -
E-Mail-Absender genau lesen:
Ein zusätzlicher Punkt oder ein „.com“ zu viel macht aus Seriosität sehr schnell Betrug.
Und ganz wichtig:
Misstrauen ist keine Dummheit – es ist finanzielle Vorsorge.
📌 Kurz-Tipp für Anleger
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❌ Zahlen Sie nichts auf Basis ungeprüfter E-Mails oder Webseiten
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🔍 Prüfen Sie Anbieter über die BaFin-Unternehmensdatenbank
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🚨 Melden Sie verdächtige Angebote der BaFin
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📞 Wenden Sie sich im Zweifel an Verbraucherzentrale oder LKA
Högels Fazit:
„Wenn Geldanlagen zu einfach, zu freundlich und zu gut klingen, dann sind sie es meist auch – nur leider für die falsche Seite.“
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