Was viele für einen Scherz hielten, ist Realität: In Cambridgeshire, Ostengland, steht der erste britische Reisanbau kurz vor der Ernte. Die Ökologin Nadine Mitschunas wagt das Experiment gemeinsam mit den Landwirten Craig und Sarah Taylor – und die Pflanzen gedeihen besser als gedacht.
„Niemand hätte geglaubt, dass Reis hier wächst – nicht in tausend Jahren“, sagt Sarah Taylor. Doch der heißeste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen hat den exotischen Körnern einen Schub gegeben.
Versuchsfelder mit neun Sorten
In vier Mini-Paddyfeldern wachsen neun Reissorten aus aller Welt – von Basmati über Risotto-Reis bis zu einer kolumbianischen Sorte namens Estrella. Manche gedeihen prächtig, andere tun sich schwer.
Das Projekt wird vom UK Centre for Ecology and Hydrology (UKCEH) begleitet und soll Antworten liefern: Welche Feldfrüchte lassen sich in Zeiten des Klimawandels künftig in Großbritannien anbauen?
Klimachance auf den Fens
Die Fens, eine der fruchtbarsten Agrarregionen des Landes, leiden unter einem massiven Problem: Das Austrocknen der Moorböden setzt große Mengen CO₂ frei. Wird der Boden wiedervernässt – etwa für Reisanbau – könnte ein Teil dieser Emissionen gestoppt werden.
Erste Ergebnisse sind ermutigend: Obwohl Reisanbau Methan freisetzt, scheinen die Gesamtemissionen der Versuchsfelder nicht höher zu liegen als die Mengen an Treibhausgasen, die im nassen Boden gebunden bleiben.
Mehr als nur „verrückte Reisbauern“
Craig Taylor wehrt sich gegen den Vorwurf der Spinnerei: „Das ist kein Gag, sondern ein Versuch, Landwirtschaft neu zu denken.“ Noch wachsen rundherum Kartoffeln, Zwiebeln und Rüben. Aber das Klima zwingt zum Umdenken.
Wenn die globale Erwärmung tatsächlich um 2 bis 4 Grad steigt – wie viele Forscher prognostizieren –, könnte Reis in weiten Teilen Großbritanniens bald eine ganz normale Feldfrucht sein.
Politik schaut genau hin
Selbst das Landwirtschaftsministerium hat die Reisfelder besucht. Denn das Projekt berührt eine Kernfrage: Wie lässt sich die Ernährungssicherheit sichern, ohne den Klimaschutz aus den Augen zu verlieren?
Noch ist es ein Experiment. Aber in zehn Jahren könnte britischer Reis nicht mehr nur eine Kuriosität sein, sondern ganz selbstverständlich auf dem Teller landen.
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