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KI-Boom treibt Preise für Computer in die Höhe

geralt (CC0), Pixabay
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Der weltweite Boom rund um künstliche Intelligenz hat eine überraschende Nebenwirkung: Computer, Smartphones und Server werden teurer. Grund dafür ist ein akuter Mangel an Arbeitsspeicher – also an den RAM-Modulen, die für nahezu jedes digitale Gerät unverzichtbar sind. In der Branche wird die Situation inzwischen bereits mit einem dramatischen Begriff beschrieben: „RAMageddon“.

Supercomputer brauchen Tausende Speicherbausteine

Wie stark der Bedarf gestiegen ist, zeigt sich auch in der Wissenschaft. In den Serverräumen der Technischen Universität Wien steht mit dem Vienna Scientific Cluster 5 einer der leistungsstärksten Supercomputer Österreichs. Die Anlage wird von Forschenden aus dem ganzen Land genutzt – etwa für Klimamodelle, medizinische Simulationen oder die Entwicklung neuer Materialien.

Auch wenn ein Supercomputer äußerlich kaum an einen gewöhnlichen PC erinnert, basiert er technisch auf denselben Komponenten – nur in wesentlich größeren Dimensionen. Statt einzelner Speicherbausteine kommen hier tausende bis zehntausende RAM-Module zum Einsatz.

Genau diese Bauteile sind derzeit weltweit knapp.

KI-Rechenzentren verschlingen enorme Mengen RAM

Der Hauptgrund liegt im rasanten Ausbau der KI-Infrastruktur. Große Technologieunternehmen investieren derzeit dreistellige Milliardenbeträge in neue Rechenzentren, die speziell für Anwendungen rund um künstliche Intelligenz ausgelegt sind.

Diese Systeme benötigen enorme Mengen besonders leistungsfähigen Arbeitsspeichers – sogenanntes High Bandwidth Memory (HBM). Dieser Speicher ist deutlich schneller als herkömmlicher RAM und deshalb ideal für KI-Berechnungen.

Die Produktion konzentriert sich daher zunehmend auf diese Spezialchips.

Drei Hersteller dominieren den Markt

Ein weiteres Problem ist die geringe Zahl an Herstellern. Weltweit kontrollieren nur drei Unternehmen den Großteil des Marktes:

  • Samsung

  • SK hynix

  • Micron

Gemeinsam produzieren sie rund 90 Prozent des globalen Arbeitsspeichers.

Da sich mit HBM-Speicher für KI-Rechenzentren deutlich höhere Gewinne erzielen lassen, verlagern diese Firmen ihre Produktion zunehmend auf diese Produkte. Klassischer Arbeitsspeicher für Computer wird dadurch seltener – und entsprechend teurer.

Preise haben sich vervielfacht

Die Folgen sind bereits deutlich spürbar. Für bestimmte Hochleistungsspeicher, wie sie in Supercomputern verwendet werden, sind die Preise innerhalb weniger Monate massiv gestiegen.

Ein Beispiel:
Ein einzelnes Speicher-Modul, das im vergangenen Jahr noch rund 300 Euro kostete, liegt inzwischen bei 2.000 bis 2.500 Euro – bei Lieferzeiten von mehreren Monaten.

Für große Rechenzentren oder wissenschaftliche Supercomputer bedeutet das Mehrkosten im zweistelligen Millionenbereich.

Forschung könnte gebremst werden

Gerade in der Wissenschaft hat diese Entwicklung spürbare Konsequenzen. Viele Forschungsprojekte sind auf leistungsfähige Rechner angewiesen – etwa für:

  • präzisere Klimamodelle

  • medizinische Simulationen

  • Materialforschung für neue Energiespeicher

  • komplexe Strömungsberechnungen

Wenn notwendige Hardware plötzlich ein Vielfaches kostet, können Projekte verzögert oder sogar eingeschränkt werden.

Auch Verbraucher zahlen mehr

Der RAM-Mangel betrifft längst nicht mehr nur Rechenzentren und Forschungseinrichtungen. Auch normale Verbraucher spüren die Auswirkungen.

Bei Desktop-PCs wurden zuletzt teilweise deutlich höhere Preise verlangt. Bei Laptops liegen die Aufschläge derzeit häufig zwischen 10 und 20 Prozent.

Einige Hersteller reagieren außerdem, indem sie Geräte mit weniger Arbeitsspeicher in der Grundausstattung anbieten – oder für größere RAM-Ausstattungen deutlich mehr verlangen.

Entspannung erst in einigen Jahren möglich

Eine schnelle Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Zwar planen große Speicherhersteller neue Fabriken und Produktionslinien, doch der Aufbau solcher Anlagen dauert Jahre.

Branchenanalysten gehen deshalb davon aus, dass der weltweite RAM-Engpass mindestens bis 2027, möglicherweise sogar bis 2028, anhalten könnte.

Solange die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter wächst, könnte der Begriff „RAMageddon“ also noch eine ganze Weile aktuell bleiben.

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