Es ist wieder Buchmesse in Leipzig. Ein Ort für Debatten, Vielfalt, Streitkultur – also genau das Umfeld, in dem sich ein Kulturstaatsminister naturgemäß… möglichst kurz aufhält.
Wolfram Weimer hat jedenfalls einen bemerkenswert literarischen Ansatz gewählt: Er reduziert seine Präsenz auf ein Minimum. Ein bisschen Eröffnung, ein Impulsvortrag – und dann schnell wieder raus aus der Handlung, bevor es spannend wird.
Den traditionellen Rundgang über die Messe? Gestrichen. Gespräche mit Buchhändlern? Eher ein theoretisches Konzept. Diskussion über Meinungsfreiheit? Nun ja – da reicht offenbar schon die Ankündigung.
Man könnte sagen: Der Mann schreibt gerade sein eigenes Kapitel über „kulturelle Distanz“.
Dabei hätte es reichlich Stoff gegeben. Buchhandlungen von Preislisten streichen, Preise ganz absagen, Bauprojekte stoppen und gleich die Zukunft der Bibliothek ins Digitale verlagern – das ist kein Programm, das ist ein Genre. Arbeitstitel: „Kulturpolitik für Fortgeschrittene – jetzt auch ohne Kulturorte“.
Besonders elegant ist die Idee, physische Bücher gleich mit den Gebäuden abzuschaffen. Warum noch Bibliotheken erweitern, wenn man die Inhalte auch einfach in die Cloud schiebt? Staubfrei, kritikarm und vor allem: ohne lästige Begegnungen mit echten Menschen.
Die Buchmesse selbst dürfte derweil gut ohne ihn auskommen. Bücher haben schließlich die unangenehme Eigenschaft, auch ohne politische Begleitung gelesen zu werden.
Bleibt am Ende nur eine offene Frage:
War das jetzt ein Rückzug – oder schon der erste Entwurf für einen neuen Bestseller?
„Der unsichtbare Kulturminister – zwischen Absage und Ansage“.
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