Kurz vor der feierlichen Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo sorgt die vermeintliche Präsenz von US-Einwanderungsbeamten (ICE) im Umfeld des US-Olympiateams für Spannungen – und Proteste in der italienischen Öffentlichkeit.
Nicole Deal, Sicherheitschefin des US-Olympischen Komitees (USOPC), stellte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz klar:
„Es sind keine ICE-Agenten Teil der offiziellen Team-USA-Delegation hier in Mailand.“
Es sei bedauerlich, dass es so viele „Fehlinformationen“ gebe, insbesondere über die Rolle von US-Behörden bei internationalen Großveranstaltungen. „Ich bin froh, dass wir das hier richtigstellen können“, so Deal weiter.
Hintergrund: ICE-Einsatz bei internationalen Events – aber nicht beim Team
Die US-Heimatschutzbehörde (Department of Homeland Security) hat in der Vergangenheit regelmäßig sogenannte HSI-Officers – Ermittler der Abteilung für grenzüberschreitende Kriminalität – zu Großveranstaltungen entsandt. Diese gehören zwar zur ICE-Behörde, sind aber nicht Teil der berüchtigten „Enforcement and Removal Operations“ (ERO), die für Abschiebungen verantwortlich sind.
Dennoch wurde die Nachricht über eine mögliche ICE-Präsenz in Italien kritisch aufgenommen – vor allem nach den tödlichen Schüssen durch ICE-Agenten in Minneapolis im Januar. In Mailand kam es daraufhin zu Protesten gegen die US-Behörde.
Der Bürgermeister von Mailand, Giuseppe Sala, erklärte gegenüber der Presse:
„Diese Miliz ist in Mailand nicht willkommen. Sie agieren, als würden sie sich selbst Erlaubnisscheine ausstellen.“
Sicherheitslage: Team USA auf Proteste vorbereitet
Obwohl keine direkten Drohungen bestehen, bereitet sich das US-Team auf mögliche Demonstrationen vor. Bereits am Donnerstag wurde eine Umweltprotestaktion während des Fackellaufs angekündigt, für Samstag ist eine weitere Protestveranstaltung in der Stadt geplant.
Deal betonte, dass Athleten über Protestorte informiert würden, um sich frei und sicher in der Stadt bewegen zu können.
Auch Sarah Hirschman, CEO des USOPC, zeigte sich zuversichtlich:
„Wir rechnen nicht mit anti-amerikanischer Stimmung in den Austragungsorten. Die Atmosphäre bei den Wettkämpfen ist erfahrungsgemäß sehr positiv.“
Namensänderung aus Rücksicht auf Debatte
In Reaktion auf die öffentliche Debatte entschieden mehrere US-Wintersportverbände – darunter USA Hockey, U.S. Figure Skating und U.S. Speedskating – ihren Gastbereich in Mailand umzubenennen.
Das ursprünglich als „The Ice House“ geplante Empfangszentrum heißt nun diplomatisch entschärft: „The Winter House“.
Fazit: Eisige Stimmung vor Beginn der Spiele
Trotz der Klarstellung, dass keine ICE-Beamten Teil der offiziellen Olympia-Delegation sind, bleibt die Kritik an der US-Sicherheitspolitik spürbar. Die Proteste zeigen, wie stark innenpolitische Konflikte der USA internationale Ereignisse beeinflussen – auch in einem Land, das sportlich neutral bleibt, politisch jedoch auf seine Souveränität pocht.
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