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Kanadas konservativer Oppositionsführer Poilievre vor Führungsbewährungsprobe – und mit dem Kampf um breitere Wählersympathien

jorono (CC0), Pixabay
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Der kanadische Oppositionsführer und Vorsitzende der Konservativen Partei, Pierre Poilievre, steht in dieser Woche vor einem wichtigen parteiinternen Test: Bei der Parteikonferenz in Calgary am Freitag stimmen Delegierte darüber ab, ob er Parteichef bleiben soll. Der Anlass: eine automatische Führungsüberprüfung, die nach einer Wahlniederlage ausgelöst wird – in diesem Fall Poilievres Verlust bei der Parlamentswahl im April sowie seiner persönlichen Niederlage im eigenen Wahlkreis bei Ottawa.

Interne Unterstützung stark, breitere Zustimmung fraglich

Innerhalb der Partei gilt Poilievres Position als gefestigt. Beobachter gehen davon aus, dass er die Abstimmung klar gewinnen wird – eine Zustimmung von über 80 % wäre ein starkes Signal. Doch die eigentliche Herausforderung liegt außerhalb der Parteigrenzen: Poilievre gelingt es bisher nur bedingt, seine Unterstützung in der breiten Bevölkerung zu erweitern – insbesondere im Vergleich zu Premierminister Mark Carney, der sich mit einer zentristischen Ausrichtung zunehmend Zustimmung verschafft.

Laut aktuellen Umfragen von Abacus Data ist Poilievre in der Öffentlichkeit stark polarisiert – während Parteianhänger seine scharfe Kritik an der liberalen Regierung, besonders bei Themen wie Wohnungsknappheit und Lebenshaltungskosten, begrüßen, lehnt ihn über die Hälfte der Kanadier ab. Kritik entzündet sich vor allem an seinem konfrontativen Ton, der von Gegnern als „spalterisch“ wahrgenommen wird.

Herausforderung Trump: Abgrenzung bleibt vage

Ein zentraler Streitpunkt in der öffentlichen Debatte ist Poilievres Umgang mit dem möglichen Wiedererstarken von Donald Trump. Der ehemalige US-Präsident ist in Kanada äußerst unbeliebt – viele Kanadier sehen in ihm eine Bedrohung, nicht zuletzt wegen seiner protektionistischen Haltung gegenüber Kanada. Poilievre konnte bisher keine klare Strategie im Umgang mit Trump aufzeigen – was Vergleiche zwischen ihm und Trump zusätzlich befeuert.

Im Gegensatz dazu punktete Premierminister Carney mit einer international beachteten Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, in der er deutlich Stellung zu Trump bezog. Die Liberalen nutzten den Moment, um ein altes Video von Poilievre zu verbreiten, in dem er ankündigt, seine Minister würden an keiner Veranstaltung des Forums teilnehmen dürfen – ein Kontrast, der den Liberalen in den Umfragen Aufwind verschaffte.

Laut einer aktuellen Léger-Umfrage liegen die Liberalen nun bei 47 % der Stimmen – genug, um bei einer Wahl die Regierung zu stellen. Die Konservativen konnten ebenfalls leicht zulegen und erreichen nun 38 %, während kleinere Parteien wie der Bloc Québécois an Zustimmung verloren.

Poilievres Position in der Partei bleibt stark

Trotz der Wahlniederlage hat Poilievre das Parteifundament gestärkt. Die Mitgliederzahlen sind gestiegen, und seine innenpolitischen Forderungen – etwa die Abschaffung der CO₂-Steuer und eine straffere Einwanderungspolitik – haben Druck auf die Regierung ausgeübt und teilweise politische Reaktionen ausgelöst.

Laut Strategin Amanda Galbraith habe Poilievre die Partei „rund um seine Marke von Konservatismus neu belebt“. Auch Ben Woodfinden, früherer Kommunikationsdirektor Poilievres, betont, dass der parteiinterne Rückhalt stark sei – gleichwohl müsse die Partei noch klarer definieren, wie sie in geopolitisch schwierigen Zeiten etwa mit Trump umgehen wolle.

Signale der Mäßigung?

In jüngster Zeit zeigen sich jedoch Anzeichen für eine Tonänderung. Nach Carneys Davos-Rede lobte Poilievre den Premierminister ungewohnt: Die Rede sei „gut formuliert und eloquent“ gewesen. Gleichzeitig kritisierte er die Liberalen scharf dafür, dass sie Kanadas Wirtschaft immer abhängiger von den USA gemacht hätten.

Auch innenpolitisch signalisiert Poilievre neuerdings Gesprächsbereitschaft – etwa bei Themen wie Steuererleichterungen für Geringverdiener oder Reformen im Kautionsrecht.

Poilievre wird am Freitag kurz vor der Abstimmung eine Rede halten, die Aufschluss darüber geben dürfte, wie er sich für die kommenden Herausforderungen aufstellen will. Beobachter erwarten mit Spannung, ob er sich dabei weiter öffnet – oder seinen bisherigen Kurs bekräftigt.

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