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Kambodscha liefert mutmaßlichen Drahtzieher eines globalen Krypto-Betrugs an China aus

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Der kambodschanische Milliardär Chen Zhi ist an China ausgeliefert worden. Ihm wird vorgeworfen, einen groß angelegten Krypto-Betrug organisiert zu haben, bei dem mutmaßlich Zwangsarbeiter in Südostasien eingesetzt wurden, um weltweit Opfer zu betrügen.

Chen wurde gemeinsam mit zwei weiteren chinesischen Staatsbürgern am 6. Januar in Kambodscha festgenommen – nach monatelangen gemeinsamen Ermittlungen mehrerer Länder gegen grenzüberschreitende Kriminalität. Am Mittwoch bestätigten die kambodschanischen Behörden die Auslieferung nach China.

Die US-Justiz hatte Chen Zhi bereits im Oktober 2025 wegen Betrugs und Geldwäsche angeklagt. Die Anklage beschuldigt ihn, Milliardenbeträge in Kryptowährungen durch betrügerische Online-Geschäfte erbeutet zu haben, die von Kambodscha aus betrieben wurden. Auch das Vereinigte Königreich verhängte Sanktionen gegen sein Firmenimperium, die Prince Group.

Zerschlagung eines mutmaßlichen Verbrechensnetzwerks

Chinesische Staatsmedien bezeichneten Chen als „Kopf eines groß angelegten, grenzüberschreitenden Glücksspiel- und Betrugssyndikats“ und werfen ihm unter anderem das Betreiben illegaler Casinos, Betrug, unerlaubte Geschäftsaktivitäten sowie das Verschleiern krimineller Einnahmen vor.

Der staatliche Sender CCTV berichtete, Chen sei nun „gemäß dem Gesetz unter Zwangsmaßnahmen gestellt“ worden. Die chinesischen Sicherheitsbehörden kündigten an, bald Haftbefehle gegen weitere Mitglieder des Netzwerks zu erlassen. In einer Warnung rief CCTV mutmaßliche Komplizen auf, sich freiwillig zu stellen, um strafmildernde Umstände zu erhalten.

Chen Zhi war 2014 kambodschanischer Staatsbürger geworden – seine kambodschanische Staatsbürgerschaft wurde im Dezember 2025 per königlichem Dekret widerrufen.

Prince Group unter Druck – Bank geschlossen

Im Zuge der Ermittlungen haben die kambodschanischen Behörden auch die Prince Bank, eine Tochtergesellschaft von Chen Zhis Prince Group, geschlossen und in Liquidation versetzt. Neue Bankgeschäfte sind untersagt, bestehende Kunden dürfen jedoch weiterhin Geld abheben oder Kredite zurückzahlen, teilte die Nationalbank Kambodschas mit.

Chen Zhi selbst war in den letzten Monaten untergetaucht. Seit seiner Anklage in den USA galt sein Aufenthaltsort als unbekannt.

Sein Konzern, die Prince Group, hatte stets bestritten, in kriminelle Aktivitäten verwickelt zu sein. Laut Website des Unternehmens ist die Gruppe in den Bereichen Immobilienentwicklung, Finanzdienstleistungen und Konsumgüter tätig. Unabhängige Recherchen und mehrere Gerichtsverfahren werfen dem Konzern jedoch systematischen Online-Betrug und illegales Glücksspiel vor.

Menschenschmuggel und digitale Zwangsarbeit

Die Vereinten Nationen schätzen, dass Hunderttausende Menschen nach Südostasien gelockt und dort zur Mitarbeit in betrügerischen Callcentern und Online-Plattformen gezwungen wurden. Viele Opfer, darunter zahlreiche Chinesen, wurden unter dem Vorwand legaler Arbeitsverträge in Länder wie Kambodscha und Myanmar gebracht – und dort unter Androhung von Gewalt zu Betrugstätigkeiten gezwungen.

Chen Zhi wird verdächtigt, diese Strukturen maßgeblich mit aufgebaut zu haben. Laut dem FBI wurden allein in den USA Bitcoin im Wert von 15 Milliarden US-Dollar sichergestellt, die seinem Netzwerk zugeordnet werden.

Nähe zur kambodschanischen Elite

Die kambodschanische Regierung äußerte sich bislang nur vage zur Causa. Trotz Sanktionen durch die USA und Großbritannien wurde Chen Zhi lange als bedeutender Investor angesehen, mit engen Kontakten zu führenden Politikern des Landes. Medienberichten zufolge machen Betrugsbasierte Geschäftsmodelle mittlerweile einen erheblichen Teil der kambodschanischen Wirtschaft aus.

Der Journalist Jack Adamovic Davies, der Chen Zhi und seine Firmenstruktur intensiv recherchiert hat, sagte der BBC: „Es ist vor allem die Größenordnung des Betrugs, die Chen Zhi so herausstechen lässt.“ Es sei erschütternd, dass die Prince Group über Jahre eine globale Präsenz aufbauen konnte, ohne dass Regulierungsbehörden eingegriffen hätten.

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