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Kamala Harris rechnet mit Biden-Team ab: „Reckless“ Schweigen zur Wiederwahl 2024

GDJ (CC0), Pixabay
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In ihrem neuen Buch „107 Days“ gewährt Ex-Vizepräsidentin Kamala Harris tiefe Einblicke in die politischen Machtspiele innerhalb des Weißen Hauses unter Präsident Joe Biden – und macht dabei vor scharfer Selbstkritik und deutlichen Vorwürfen an Bidens engstes Umfeld keinen Halt.

„Wir waren wie hypnotisiert“ – über Bidens Wiederwahlentscheidung

Harris schildert, dass sie und andere Mitglieder der Regierung sich 2024 blind der Entscheidung Bidens unterordneten, trotz seines hohen Alters (81) erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren.

„Es war wie ein Mantra: ‚Es ist Joes und Jills Entscheidung‘ – als wären wir alle hypnotisiert gewesen.“

Heute bezeichnet sie diese Haltung als „leichtsinnig“ (recklessness). Die Entscheidung über eine zweite Amtszeit sei zu wichtig gewesen, um sie einzig dem „Ego oder Ehrgeiz eines Einzelnen“ zu überlassen.

107 Tage Kampagne – und ein zerrüttetes Verhältnis zum Biden-Team

Das Buch dokumentiert Harris‘ Versuch, nach Bidens Rückzug im Juli 2024 binnen 107 Tagen eine erfolgreiche Wahlkampagne auf die Beine zu stellen – letztlich erfolglos. Dabei wird deutlich, wie isoliert sie sich als Vizepräsidentin fühlte:

  • Harris wirft dem Biden-Team vor, ihr Image aktiv beschädigt zu haben, etwa durch fehlende öffentliche Unterstützung bei konservativen Angriffen.

  • Sie kritisiert, dass sie selbst bei offiziellen Veranstaltungen des Weißen Hauses oft um Redezeit kämpfen musste.

  • Eine strategische Unterstützung für ihre politische Positionierung habe es kaum gegeben – „Mein Erfolg war nicht erwünscht“, so Harris.

Die „Grenzzar“-Falle und der Israel-Konflikt

Besonders kritisch sieht Harris den Moment, als sie mit der Migrationsthematik an der US-Grenze betraut wurde – ohne echte Handlungsoptionen, aber mit enormem politischem Risiko. Die Republikaner etikettierten sie daraufhin spöttisch als „Border Czar“.

Auch bei einer vielbeachteten Rede zum Gaza-Krieg im März 2024, in der Harris die israelische Regierung für zivile Opfer kritisierte, sei sie im Nachhinein vom Weißen Haus gerügt worden – offenbar, weil sie „zu gut“ gesprochen habe.

Loyalität – aber nur in eine Richtung

Harris betont mehrfach, dass sie Biden trotz aller Differenzen loyal unterstützt habe – auch bei seiner Verteidigung gegen Angriffe bezüglich seiner geistigen und körperlichen Fitness.

„Auf seinem schlechtesten Tag war er immer noch klüger, mitfühlender und kompetenter als Trump an seinem besten“, schreibt sie.

Doch sie sei nicht bereit gewesen, Biden offen zum Rückzug zu raten – aus Angst, dies könnte als persönlich motiviert oder illoyal gedeutet werden.

„Wenn ich geglaubt hätte, dass er unfähig zum Amt ist – ich hätte es gesagt. Meine Loyalität gilt meinem Land.“

Der Tropfen: Bidens Abschiedsrede ohne nennenswerte Erwähnung

Bitter vermerkt Harris, dass Biden bei seiner Rückzugsrede am 24. Juli 2024 erst nach fast neun Minuten überhaupt ihren Namen nannte – und dies in nur zwei Sätzen.

„Und das war’s“, schreibt sie trocken.

Fazit: Eine Kandidatin auf dem Abstellgleis – trotz Amtsbonus

„107 Days“ ist nicht nur eine politische Autobiografie, sondern eine Abrechnung mit einem System, das Harris trotz ihres Amtes nicht als gleichwertige Partnerin, sondern als Risiko behandelte. Ihre Darstellung wirft ein Licht auf die inneren Zerreißproben der Demokraten im Wahljahr 2024 – und auf das Scheitern eines politischen Aufstiegs, der einst als sicher galt.

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