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Kalifornien: Tragödie im Treibhaus der Bürokratie

NoName_13 (CC0), Pixabay
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Inmitten von Tomaten, THC und Tränengas ist in Kalifornien ein weiterer trauriger Eintrag in das Logbuch des amerikanischen Einwanderungssystems geschrieben worden: Ein Landarbeiter, der schlicht zur falschen Zeit auf der falschen legalen Cannabisplantage war, ist bei einer ICE-Razzia tödlich verunglückt. Wie seine Familie mitteilte, war Jaime „ein unschuldiger Bauer“. Seine schlimmste Straftat: Er war Mexikaner. Und auf einem Dach.

Die Razzia im idyllischen Ventura County, einem Ort, an dem Avocados und amerikanische Paradoxien gleichermaßen gedeihen, brachte über 200 Festnahmen – und einen Toten. ICE erklärte, es handle sich um eine koordinierte Aktion zur Bekämpfung von Menschenhandel. Für Jaime endete die „Koordination“ auf einem Gewächshausdach – und dann auf dem Boden. 9 Meter tiefer. Die Schwerkraft war dabei offenbar effizienter als jedes Gesetz zur Migrationskontrolle.

Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums gab sich bemüht nüchtern: Der Mann sei „gestürzt“. Kein Wort über Panik, kein Wort über den Kontext. Es war ein Unfall, sagen sie. So wie man bei einem Stromausfall versehentlich in ein Hochspannungswerk fällt.

US-Präsident Donald Trump – stets ein Meister der Pietät – reagierte auf seine Weise: Mit Wut auf „Schleimbälle“, die angeblich ICE-Fahrzeuge bewarfen. Für Jaime hatte er keine Worte. Vielleicht, weil es keine Pointe gibt, wenn das Opfer sich nicht wehrt, keine Kamera zückt und nicht auf Social Media viral geht.

Das Unternehmen Glass House Brands, Betreiber der Plantage, beteuert derweil, man habe sich stets an die Vorschriften gehalten. Selbstverständlich. Wer würde auch vermuten, dass ausgerechnet eine Cannabisfirma im steuerlich regulierten Kalifornien das Gesetz beugt?

Und während ICE stolz auf die Rettung von zehn Kindern verweist – immerhin: das sind zehn Punkte auf der PR-Bilanz – fragt sich der Rest von uns, wie es sein kann, dass ein Mensch stirbt, weil er Cannabis erntet. Auf einer legalen Farm. In einem demokratischen Staat. Durch eine Behörde, deren Akronym mittlerweile eher für „Institutionalisierte Chaos-Einheiten“ steht.

Am Ende bleibt eine Familie mit einem gebrochenen Herzen – und einem Spendenlink im Internet. Denn in den USA stirbt man nicht nur in Armut, sondern man beerdigt sich auch in Crowdfunding.

Ruhe in Frieden, Jaime. Du wurdest nicht von einer Pflanze gerettet. Sondern von einem System gestürzt.

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