Startseite Allgemeines Kakaopreis crasht – Schokolade bleibt trotzdem teuer, weil… warum eigentlich nicht? Von der Börse direkt ins Praliné-Paradies – eine bittersüße Bilanz
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Kakaopreis crasht – Schokolade bleibt trotzdem teuer, weil… warum eigentlich nicht? Von der Börse direkt ins Praliné-Paradies – eine bittersüße Bilanz

allybally4b (CC0), Pixabay
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Die dramatische Rallye am Kakaomarkt ist vorbei – und das ganz ohne Tränengas und Barrikaden. Was monatelang klang wie der Showdown in einer Netflix-Serie über Rohstoffe („Cocoa Wars: The Dark Side of the Bean“) endet nun mit einem dumpfen Plopp. Der Kakaopreis ist gefallen – nicht einfach ein bisschen, sondern gleich aus schwindelerregenden Höhen. Die letzte Tafel Ritter Sport dürfte mehr gekostet haben als ein halber Kilo Rohkakao.

An der New Yorker Kakaobörse notierte die Bohne zuletzt bei unter 5.930 Dollar pro Tonne – im März waren es noch über 10.000, im Dezember 2023 sogar über 12.000 Dollar. Wer also dachte, Kakao sei nur braunes Pulver zum Einrühren, hat die Wall Street offenbar nie mit einem Schokoladen-Futures-Chart gesehen.

📉 Kakao stürzt ab – und keiner weint?

Analysten sprechen von einem „Ende der dramatischen Rallye“. Klingt dramatisch, aber übersetzt heißt das wohl: Der Kakao hat jetzt wieder Bodenhaftung – oder zumindest die Tiefe eines Schokoladenbrunnens erreicht. Rohstoffexperten wie Oran van Dort sagen: „Die Preise waren absolut lächerlich.“ (Was vermutlich Börsensprech ist für „Wir wissen auch nicht, was da los war“.)

Wieso der Absturz? Ganz einfach: Mehr Regen, mehr Bohnen, weniger Menschen, die sich 4-Euro-Täfelchen leisten wollen. Also: Angebot rauf, Nachfrage runter – und der Kakaopreis macht die Banane.

🌱 Die Natur gibt Gas – der Markt stolpert hinterher

Nach monatelanger Dürre sind in den Anbaugebieten endlich wieder Regenwolken aufgezogen, die nicht nur Instagram-tauglich aussehen, sondern auch die Kakaobäume zum Blühen bringen. Die nächste Ernte könnte so prall ausfallen wie ein Osternest – gleichzeitig sind aber viele Konsumenten vom Preisniveau 2024 so traumatisiert, dass sie beim Supermarkt-Schokoregal eher flüchten als zugreifen.

Und trotzdem: An der Ladentheke passiert… genau gar nichts.

🛒 Schokolade bleibt teuer – aus Gründen, die keiner so richtig versteht

Obwohl der Weltmarktpreis gefallen ist wie ein schlecht verpackter Osterhase, bleibt die Tafel im Supermarkt teuer wie ein Boutique-Haarschnitt in Zürich. Warum? Nun, da sind zum einen die „langfristigen Verträge“, die die Schokoladenindustrie angeblich zu Höchstpreisen verpflichtet haben. Klingt plausibel, könnte aber auch einfach das Codewort sein für: „Weil wir es können.“

Hinzu kommen die Klassiker: Verpackung, Energie, Logistik, ein Hauch Inflation und natürlich das mystische Wesen namens „Wertschöpfungskette“, das in der Lebensmittelindustrie gern als Preisschubrakete herhält.

🇨🇮 Kakao-Boom in Westafrika – aber nicht alles glänzt wie Goldfolie

In Ghana und der Elfenbeinküste, den Supermächten des Kakaos, hat man derweil den staatlichen Erntepreis ordentlich hochgeschraubt – teils um bis zu 39 Prozent. Fairtrade jubelt: Mehr Geld für die Erzeuger! Schmuggler weinen: Weniger Schattenwirtschaft!

Die Idee: Wer besser verdient, verkauft offiziell, düngt mehr, pflanzt neue Bäumchen – und sorgt langfristig für mehr Kakao, noch mehr Angebot und damit noch niedrigere Preise. Klingt gut? Ja. Außer für die Menschen, die gehofft hatten, dass ihr Lieblingsaufstrich irgendwann mal wieder unter 4 Euro rutscht.

🔮 Ausblick: Die Preise sinken. Irgendwann. Vielleicht. Unter Umständen. In einer fernen Galaxie.

Zwar hat die EZB ausgerechnet, dass sich die Preise für Kakao und Schokolade seit 2019 mehr als verdoppelt haben, aber Hoffnung ist in Sicht: Analysten glauben, dass wenigstens keine weiteren Preiserhöhungen zu erwarten sind.

Also: Kein Lichtblick, aber immerhin kein neuer Stromausfall.

🍫 Fazit: Die Bohne fällt – der Preis bleibt kleben

Kakaopreise kollabieren, Schokolade bleibt Luxusgut – und irgendwo lacht ein Investmentbanker, der 2023 massenhaft Bohnen gekauft hat. Wer in diesen Tagen also eine teure Tafel Schokolade öffnet, isst nicht einfach Süßes. Er oder sie leistet stillen Protest gegen die Logik der Märkte.

Und das schmeckt – bitter, wie es sich für guten Kakao gehört.

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