Auf dem Papier wirkt die US-Wirtschaft stark: Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosenquote bleibt niedrig, und die Börsen boomen. Doch für viele Amerikaner fühlt sich die Realität ganz anders an. Die sogenannte K-förmige Wirtschaft, bei der Wohlhabende profitieren, während Mittelschicht und Geringverdiener abrutschen, prägte bereits das Jahr 2025 – und wird auch 2026 nicht verschwinden.
Alltag mit finanziellen Lücken
Marcus Satterfield, ein alleinerziehender Vater aus Virginia Beach, hat einen festen Job und ein stabiles Einkommen. Trotzdem musste er dieses Jahr zu Weihnachten drastisch sparen. Die Geschenke für seine Tochter wurden halbiert, das Festessen gestrichen – seine Kreditkarten sind längst überzogen. Er denkt darüber nach, zusätzlich als Uber-Fahrer zu arbeiten, obwohl das Zeit mit seiner achtjährigen Tochter kosten würde.
In Arizona kämpft die 76-jährige Rentnerin Helen Nerviano mit steigenden Kosten. Sie kümmert sich um ihren schwerkranken Ehemann und kommt mit ihrer Rente kaum über die Runden. Unerwartete Ausgaben – wie Krankenhausrechnungen – bringen sie an den Rand des Bankrotts. Für 2026 überlegt sie, sich trotz ihres Alters eine Arbeit zu suchen. „Wenn das nicht klappt, bleibt nur noch die Insolvenz“, sagt sie.
Gute Zahlen – schlechte Stimmung
Während die Wirtschaft laut offiziellen Zahlen um über 4 % gewachsen ist, verschärft sich für viele die Lage. Kreditausfälle nehmen zu, die Löhne steigen langsamer als die Preise, und die meisten Branchen stecken in einer „verdeckten Einstellungskrise“. Die Kaufkraft der Mittelschicht sinkt, und viele leben zunehmend auf Pump.
Ein alarmierendes Zeichen: Die Zahl ernsthafter Kreditkartenausfälle ist laut der New Yorker Notenbank auf den höchsten Stand seit über 14 Jahren gestiegen. Auch Privatinsolvenzen und Studentenkreditausfälle nehmen zu – besonders betroffen sind Menschen über 50.
Steigende Preise, schwindende Reserven
Die Preise für Alltägliches – Strom, Miete, Lebensmittel – bleiben hoch. Satterfield zahlte zuletzt 252 Dollar Stromkosten, rund 100 Dollar mehr als in früheren Jahren. Geld, das für Essen oder Rücklagen fehlte. Nerviano wiederum berichtet, dass sie beim Einkaufen regelmäßig Produkte aus dem Wagen zurücklegt: „Ich kann es mir einfach nicht leisten.“
Zaghafte Hoffnung für 2026
Trotz allem geben sich viele nicht auf. Es gibt erste Lichtblicke: Einige Unternehmen senken Preise, um die Konsumnachfrage anzukurbeln. Auch mögliche Steuersenkungen – etwa durch Trumps „One Big Beautiful Bill“ mit Steuererleichterungen auf Trinkgeld, Überstunden und Kinderfreibeträge – könnten Geringverdienern etwas Luft verschaffen.
Ein entscheidender Hebel wären laut Experten niedrigere Zölle. Sollten Handelsbarrieren fallen, könnte das die Inflation bremsen und die wirtschaftliche Unsicherheit mindern.
Doch bis dahin bleibt der Alltag für Millionen Amerikaner ein ständiger Drahtseilakt zwischen steigenden Lebenshaltungskosten und stagnierendem Einkommen. Die Kluft zwischen oben und unten wächst – und für viele fühlt sich der Aufschwung wie ein ferner Traum an.
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