Die Menschheit steht am Scheideweg, und schuld sind – natürlich – wieder einmal die Jugendlichen. Anlässlich des Safer Internet Day enthüllte Saferinternet.at, was viele Eltern längst befürchteten: Die Jugend von heute hat nicht nur TikTok im Kopf, sondern neuerdings auch KI im Herzen.
Rund 94 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen in Österreich nutzen Tools wie ChatGPT. Früher reichte ein guter Freund oder ein heimlich kopierter Wikipedia-Artikel – heute braucht man einen Chatbot, der bei Mathe hilft, Tränen trocknet und im Notfall sogar zurückflirtet. Schule? Nur noch ein Nebenschauplatz auf dem Weg zur KI-basierten Selbstfindung.
ChatGPT – das neue Einhorn-Tagebuch
Laut Studie setzen 60 Prozent der Jugendlichen bei Liebeskummer auf ChatGPT. Schließlich hört die KI zu, widerspricht nicht und weiß immer, wie man höflich Schluss macht. 28 Prozent plaudern sogar intime Geheimnisse mit der Maschine aus – was kann da schon schiefgehen? Datenschutz ist ja schließlich ein Gefühl, kein Gesetz.
Ein Viertel der Jugendlichen gesteht: Mit Chatbots lässt es sich besser über Gefühle reden als mit Menschen. Klar – ChatGPT unterbricht nicht, redet nicht von sich selbst und verschickt keine peinlichen Sprachnachrichten um 3 Uhr früh.
Flirten mit der Festplatte
Besonders innovativ: 19 Prozent der Befragten üben das Flirten mit KI-Bots. Ob’s hilft? Noch offen. Aber wer früher mit dem Spiegel geübt hat, kann ja heute wenigstens auf Rechtschreibung und stilistische Eleganz hoffen. Und immerhin glaubt mehr als ein Viertel (26 %), dass man sich wirklich in eine KI verlieben kann. (An dieser Stelle kurz innehalten, leise „Black Mirror“ summen.)
Risikobewusstsein: Update ausständig
Doch bevor Sie jetzt das WLAN Ihrer Kinder kappen: Es kommt noch besser. Über die Hälfte der Jugendlichen vertraut darauf, dass die KI immer Recht hat. (Ein Gefühl, das bis vor kurzem nur Mathelehrer kannten.) 40 Prozent überprüfen selten oder nie, ob das stimmt, was die KI ihnen erzählt. Und 30 Prozent glauben fest daran, dass ihre Eingaben geheim bleiben. Autsch.
Die KI als Bildungsersatz – oder das neue Schulfach „Copy-Paste“
73 Prozent verwenden KI für Hausaufgaben, Referate und wahrscheinlich auch fürs Erfinden plausibler Entschuldigungen. Die anderen 27 Prozent haben es wahrscheinlich noch nicht geschafft, sich ein Login zu machen. Oder sie haben kurz gezuckt, als ChatGPT meinte: „Dieser Satz ist grammatikalisch fragwürdig.“
Besonders beliebt bei älteren Jugendlichen – wahrscheinlich, weil sie schon alt genug sind, zu wissen, wie man’s clever tarnt. Weibliche Jugendliche sind insgesamt fleißiger mit der KI unterwegs. Das wiederum dürfte die Gleichstellungsdebatte nachhaltig elektrisieren.
Und wer ist schuld? Natürlich das Bildungssystem!
Zwei Drittel der Jugendlichen sagen: Bitte, liebe Schule, bringt uns doch endlich bei, wie diese ganze KI überhaupt funktioniert! Gleichzeitig wünschen sich über 50 Prozent Altersgrenzen für KI-Chatbots – idealerweise ab 14 Jahren. Nicht weil man davor dümmer ist, sondern weil’s sich einfach so gut anfühlt, Regeln zu haben, die niemand durchsetzt.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) überlegt bereits, KI-Unterricht auf Kosten von – man ahnt es – irgendetwas Unwichtigem wie Geschichte oder Musik zu etablieren. Schließlich kann ChatGPT beides erklären, schneller und ohne Klassenbucheintrag.
Fazit: KI ist da – und redet jetzt mit den Kindern
Staatssekretär Alexander Pröll mahnt: Künstliche Intelligenz ist die größte technische Disruption seit dem Pausenbrot mit Leberkäs. Es brauche klare Regeln, digitale Bildung, Aufklärung – und vermutlich eine App gegen KI-Apps.
Barbara Buchegger von Saferinternet.at bringt es auf den Punkt: „Machen wir nicht dieselben Fehler wie bei Social Media.“ Also kein Ignorieren, kein Wegschauen – diesmal verbieten wir’s richtig.
Satirischer Kommentar:
Wenn die KI schon unsere Kinder emotional therapiert, unsere Hausaufgaben löst, Liebesbriefe schreibt und gleichzeitig unser Vertrauen erschleicht, dann bleibt eigentlich nur noch eine letzte, verzweifelte Maßnahme: Eltern müssen sich ebenfalls einen Chatbot zulegen – um überhaupt noch mit ihren Kindern zu reden.
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