Joe Biden, ehemaliger US-Präsident, meldet sich in einem Interview erstmals seit seinem Amtsende zu Wort und spart nicht mit Kritik an seinem Nachfolger Donald Trump. Vor allem Trumps Umgang mit internationalen Partnern und die drohende Spaltung der Atlantischen Allianz bereiten ihm große Sorgen.
„Was für ein Präsident spricht so?“
Biden zeigt sich entsetzt über die Rhetorik, die Trump in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit an den Tag gelegt hat. Besonders die kontroversen Aussagen über die Annexion von Gebieten wie Panama oder gar Grönland stoßen Biden sauer auf. „So spricht kein amerikanischer Präsident“, sagt Biden. „Unsere Werte sind Freiheit, Demokratie und Chancen – nicht Enteignung und Expansion.“
Trump nutzt den Namen Biden regelmäßig als politisches Angriffsinstrument. Über 580 Mal soll er ihn allein in den ersten 100 Tagen erwähnt haben. Während Biden bislang weitgehend darauf verzichtet hatte, sich öffentlich zu äußern, entschied er sich nun, Stellung zu beziehen.
Sorge um die Atlantische Allianz
Biden sieht die Beziehungen zwischen den USA und Europa in Gefahr. Er bezeichnet die NATO-Verpflichtung, jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu verteidigen, als „heilige Pflicht“. Doch unter Trump scheint die USA zunehmend auf Distanz zur Allianz zu gehen. Trump kritisierte wiederholt, dass die USA von ihren Partnern „ausgenutzt“ werde.
Biden befürchtet, dass Europa künftig das Vertrauen in die USA verliert: „Ich mache mir Sorgen, dass unsere Verbündeten zweifeln, ob wir wirklich noch dort stehen, wo wir die letzten 80 Jahre gestanden haben.“ Für Biden, der die NATO während seiner Amtszeit durch den Beitritt von Finnland und Schweden stärkte, ist dieser Richtungswechsel schwer nachvollziehbar.
Ukraine-Konflikt: „Moderne Beschwichtigungspolitik“
Besonders kritisch sieht Biden Trumps Umgang mit dem Ukraine-Konflikt. Während er selbst die Unterstützung der Ukraine intensivierte, fordert Trump, dass Kiew über die Abgabe von Gebieten an Russland nachdenken solle. Biden nennt dies „moderne Beschwichtigungspolitik“.
Für ihn ist klar: Putin wolle die Ukraine wieder als Teil von „Mutter Russland“ integrieren. „Wer glaubt, dass Putin irgendwann aufhört, ist naiv“, warnt Biden. Er betont, dass die USA unter seiner Führung die Ukraine so weit unterstützt haben, dass sie ihre Unabhängigkeit wahren konnte.
Ein Präsident mit Mission
Biden zeigt sich in dem Interview entschlossen, weiter für die Werte der Demokratie zu kämpfen. Rückblickend auf seinen Rückzug aus der Präsidentschaftskandidatur 2024 gibt er zu, dass die Entscheidung schwer fiel, er sie jedoch nicht bereut. Er glaubt, dass seine damalige Vizepräsidentin Kamala Harris eine starke Kandidatin war.
Biden hält Trumps Verhalten weiterhin für problematisch: „Er verhält sich nicht wie ein republikanischer Präsident“, sagt er, und warnt davor, dass die USA unter Trump eine zunehmend isolationistische Politik verfolgen könnte.
„Jede Generation muss für die Demokratie kämpfen“
Für Biden ist die Stärkung der Demokratie eine fortwährende Aufgabe: „Jede Generation muss für die Demokratie kämpfen“, erklärt er. Er warnt davor, die Erfolge der letzten 80 Jahre leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
Biden, selbst in bescheidenem Ton, mahnt, dass die USA unter Trump einen gefährlichen Kurs eingeschlagen habe. „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt er abschließend. „Wir müssen wachsam bleiben.“
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