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Japans wachsende Sorge: Wenn Bären zu Nachbarn werden

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In Japan spitzt sich die Lage zu – Bären dringen immer häufiger in bewohnte Gebiete ein, Angriffe häufen sich, und die Behörden geraten an ihre Grenzen. Was einst als seltenes Naturereignis galt, ist inzwischen zu einem landesweiten Sicherheitsproblem geworden.

Rekordzahl an Angriffen – zehn Tote seit Frühjahr

Seit April dieses Jahres sind laut dem japanischen Umweltministerium zehn Menschen durch Bärenangriffe ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Allein in der Präfektur Akita kam es zuletzt zu einem besonders tragischen Vorfall mit einem Toten und drei Verletzten.

„Die Situation hat ein Ausmaß erreicht, das lokale Behörden überfordert“, räumte Akitas Gouverneur Kenta Suzuki gegenüber der Japan Times ein.

Auch Umweltminister Hirotaka Ishihara sprach von einem „ernsten Problem“, das sich auf immer mehr Regionen ausweite.

Vom Wald in die Städte – Bären suchen nach Nahrung

Die Ursachen liegen tief: Durch den Rückgang von Eicheln, Kastanien und anderen Waldfrüchten fehlt den Bären in diesem Jahr die natürliche Nahrung. Getrieben vom Hunger, suchen sie in Dörfern und Städten nach Ersatz – häufig in Form von Müll, Haustierfutter oder Feldern mit Mais und Reis.

Besonders betroffen sind die nördlichen Regionen Honshus, etwa die Präfekturen Akita und Iwate, aber auch auf Hokkaido häufen sich Sichtungen. In der Nähe der Stadt Morioka wurden zuletzt Bären direkt am Stadtrand gefilmt – eine Situation, die viele Anwohner in Angst versetzt.

Behörden überfordert – und Jäger in Alarmbereitschaft

Japan hat in den letzten Jahrzehnten die Zahl der lizenzierten Jäger stark reduziert. Viele von ihnen sind im Ruhestand, und es fehlt an Nachwuchs. Dadurch fällt es schwer, die Bärenpopulation zu kontrollieren.

Zwar dürfen problematische Tiere getötet werden, doch das ist rechtlich und praktisch schwierig – vor allem in bewohnten Gebieten. Lokale Regierungen setzen daher zunehmend auf Warnsysteme, Drohnenüberwachung und laute Sirenen, um Menschen zu schützen.

Trotzdem bleibt die Angst. Schulen schließen früher, Wanderwege werden gesperrt, und Dorfbewohner patrouillieren abends freiwillig mit Taschenlampen.

Ökologische Ursachen und menschliche Fehler

Naturschützer warnen vor einer einseitigen Schuldzuweisung an die Tiere. Durch Abholzung, Zersiedelung und Klimawandel schrumpfen die Lebensräume der Bären, wodurch sie gezwungen sind, näher an menschliche Siedlungen zu rücken.

„Wir haben die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation verwischt“, sagt ein Biologe der Universität Tokio. „Jetzt zahlen wir den Preis dafür.“

Fazit

Japan steht vor einem Dilemma zwischen Artenschutz und öffentlicher Sicherheit. Die steigende Zahl von Bärenangriffen zeigt, dass die bisherige Strategie aus Warnungen und Einzelfallmaßnahmen nicht ausreicht.

Ob sich die Bärenproblematik eindämmen lässt, hängt nun davon ab, ob das Land Wege findet, Mensch und Tier wieder zu trennen – ohne eines von beiden zu verlieren.

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