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Jamie Dimon lernt, was passiert, wenn man Trump widerspricht

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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In Trumps zweiter Amtszeit gilt für Amerikas Vorstandsetagen eine einfache Überlebensregel: lächeln, nicken, schweigen. Politik ist Gift, Kritik potenziell existenzbedrohend. Doch Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase und mächtigster Banker der Wall Street, hat diese Regel gebrochen – und bekommt nun die Rechnung präsentiert.

Auslöser war Trumps jüngster Vorstoß zur „Bezahlbarkeit“: Er will die Zinsen für Kreditkarten auf 10 % deckeln. Für Banken wäre das ein massiver Eingriff in ihr Kerngeschäft. Während andere Konzernchefs ihre Kritik vorsichtig in Analystencalls verpackten, wurde Dimon deutlich. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos nannte er den Vorschlag offen eine „ökonomische Katastrophe“.

Einen Tag später reichte Donald Trump Klage ein – gegen JPMorgan und Dimon persönlich. Vorwurf: Die Bank habe Trump nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 „unrechtmäßig entbankt“. Trump fordert 5 Milliarden Dollar Schadenersatz. Dass diese Klage seit Monaten vorbereitet gewesen sein dürfte, schließt politisches Timing nicht aus – im Gegenteil.

Der Fall zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen Corporate America und dem Weißen Haus ist. Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit wurden Medienhäuser verklagt, Konzerne mit Strafzöllen bedroht, CEOs öffentlich bloßgestellt. Selbst Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank lösten kaum Widerspruch aus. Die Angst vor Vergeltung wirkt stärker als jede Lobby.

Doch mit dem Zinsdeckel traf Trump einen Nerv. Banken warnten geschlossen vor Kreditverknappung, geringerer Versorgung einkommensschwacher Kunden und Marktverzerrungen. Citi-Chefin Jane Fraser und Bank-of-America-CEO Brian Moynihan formulierten sachlich – Dimon formulierte klar. Das machte ihn zur Zielscheibe.

Dabei ist das Verhältnis zwischen Trump und Dimon seit Jahren belastet. 2018 hatte Dimon einmal angedeutet, er könne Trump politisch schlagen – ein Satz, den Trump nie vergaß. Später bot Trump Dimon öffentlich den Fed-Vorsitz an, was dieser bestritt. Kurz darauf folgte die Klage.

Der Fall Dimon ist mehr als ein persönlicher Machtkampf. Er ist ein Warnsignal an Führungskräfte: Wer ökonomische Realität offen ausspricht, riskiert juristische, politische und öffentliche Konsequenzen. Die Botschaft ist klar – Kritik ist erlaubt. Aber nur, solange sie leise bleibt.

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