Der Vergleich klingt zunächst gewagt. Der Krieg in der Ukraine und der atuelle Iran‑Krieg der USA sind historisch, politisch und militärisch sehr unterschiedliche Konflikte. Dennoch drängt sich eine Frage auf: Hat Donald Trump – ähnlich wie Wladimir Putin in der Ukraine – die Widerstandskraft seines Gegners unterschätzt?
Ganz gleichsetzen lassen sich die beiden Kriege nicht. Die Ukraine ist ein souveräner Staat mit einer großen Armee, internationaler Unterstützung und klar definierten Frontlinien. Der Iran dagegen ist eine regionale Macht mit einem komplexen politischen System, starken Revolutionsgarden und einem Netzwerk von Verbündeten und Milizen im gesamten Nahen Osten.
Und doch gibt es Parallelen, die zum Nachdenken anregen.
Als Russland im Februar 2022 die Ukraine angriff, ging der Kreml offenbar davon aus, dass der Widerstand schnell zusammenbrechen würde. Viele Beobachter sprechen heute davon, dass Putin die ukrainische Gesellschaft, ihre Armee und ihren Willen zur Verteidigung massiv unterschätzt hat. Statt eines schnellen Sieges entstand ein langer, verlustreicher Krieg.
Im Fall der USA könnte sich eine ähnliche Fehleinschätzung abzeichnen – wenn auch unter völlig anderen Umständen.
Auch Washington scheint lange davon ausgegangen zu sein, dass militärische Überlegenheit automatisch zu schnellen Ergebnissen führt. Die amerikanischen Streitkräfte gehören zweifellos zu den stärksten der Welt. Doch militärische Stärke allein garantiert keinen politischen oder strategischen Erfolg.
Der Iran hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gezeigt, dass er ein Land ist, das auf asymmetrische Kriegsführung setzt: Drohnen, Raketen, Stellvertreter-Milizen und maritime Angriffe gehören zu seinem Arsenal. Genau diese Form der Kriegsführung macht Konflikte schwer kalkulierbar.
Hier liegt die eigentliche Parallele: die Gefahr der strategischen Selbstüberschätzung.
Putin unterschätzte die Ukraine. Trump könnte – so argumentieren manche Beobachter – die Widerstandskraft des Iran unterschätzt haben. Und möglicherweise unterschätzt er sie noch immer.
Das bedeutet nicht, dass beide Konflikte identisch sind oder identisch verlaufen werden. Die geopolitischen Rahmenbedingungen sind völlig unterschiedlich. Doch Geschichte zeigt immer wieder ein ähnliches Muster: Großmächte neigen dazu, den Gegner schwächer einzuschätzen, als er tatsächlich ist.
Kriege beginnen oft mit der Erwartung eines schnellen Erfolgs. Doch sie entwickeln eine eigene Dynamik – politisch, militärisch und gesellschaftlich.
Vielleicht ist der Iran also nicht die Ukraine der USA.
Aber die Geschichte erinnert uns daran, dass jede militärische Macht – egal wie groß sie ist – Gefahr läuft, den Willen eines Gegners zu unterschätzen. Und genau dort beginnen viele der langen, schwierigen Kriege unserer Zeit.
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