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Ist der Absturz von X symptomatisch für Social Media?

geralt (CC0), Pixabay
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Immer mehr Institutionen in Nordirland ziehen sich von der Plattform X zurück. Jüngst kündigten sowohl die Queen’s University Belfast als auch der Belfast City Council an, ihre Accounts nicht weiter zu nutzen.

Auslöser sind unter anderem Untersuchungen zu der KI-Anwendung „Grok“, die auf der Plattform integriert ist. Es bestehen Vorwürfe, dass das System zur Erstellung sexualisierter Darstellungen realer Personen missbraucht wurde. Mehrere Organisationen äußern zudem grundsätzliche Bedenken hinsichtlich Moderation und Umgangston.

Die Northern Ireland Council for Voluntary Action (Nicva) hatte bereits im vergangenen Jahr ihre Aktivitäten auf X eingestellt. Geschäftsführerin Celine McStravick erklärte, die Entwicklung der Plattform habe den Werten des gemeinnützigen Sektors zunehmend widersprochen. Hassrede, Falschinformationen und misogyn geprägte Inhalte hätten deutlich zugenommen, während wirksame Sanktionen aus ihrer Sicht ausblieben. In den Anfangsjahren sei Twitter noch ein hilfreiches Instrument für Austausch und Vernetzung gewesen, inzwischen habe sich das Klima jedoch spürbar verändert.

Auch die Community Foundation for Northern Ireland beendete ihre Präsenz auf der Plattform. Vertreter der Stiftung verweisen auf eine „Abwärtsspirale“ unregulierter Kommentare und zunehmender Hetze, die nicht mit den eigenen Grundsätzen vereinbar sei. Insbesondere Organisationen, die mit LGBTQ+-Gruppen oder neu zugewanderten Communities arbeiten, seien Zielscheibe von Hasskommentaren geworden.

Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk im Jahr 2022 und der Umbenennung in X sehen Kritiker eine Lockerung der Inhaltsregeln. Auch in kommunalen Gremien wächst die Skepsis. Der Stadtrat von Belfast beschloss, die Nutzung des Accounts auszusetzen und zunächst die Ergebnisse einer Überprüfung durch die britische Medienaufsicht Ofcom abzuwarten. Stadträte verwiesen dabei auf erhebliche Risiken für den Schutz von Frauen und Mädchen sowie auf mögliche Reputationsschäden.

Die Polizei von Nordirland kündigte ebenfalls an, mehrere Bezirksaccounts auf X zu schließen, nachdem Reichweite und Interaktion überprüft worden waren.

Die Queen’s University Belfast teilte mit, man nutze die Plattform derzeit nicht mehr. Die Entscheidung stehe im Einklang mit dem Anspruch, Kommunikation in respektvollen und inklusiven digitalen Räumen zu führen. X selbst äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.

Der Rückzug weiterer öffentlicher Einrichtungen verdeutlicht, dass die Debatte um Moderation, KI-Anwendungen und digitale Verantwortung für große Plattformen zunehmend praktische Konsequenzen hat.

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