Während die Vereinigten Staaten und Iran erneut über ein Atomabkommen verhandeln, droht eine zentrale Forderung Israels die Gespräche zum Scheitern zu bringen. Jerusalem verlangt, dass Teheran nicht nur auf nukleare Ambitionen verzichtet, sondern auch sein ballistisches Raketenprogramm einschränkt und die Unterstützung verbündeter Milizen in der Region beendet. Experten warnen jedoch, dass genau diese Bedingungen die ohnehin fragilen Verhandlungen blockieren und das Risiko einer militärischen Eskalation erhöhen könnten.
US-Präsident Donald Trump erklärte Anfang Februar, ein Abkommen sei für ihn akzeptabel, sofern Iran auf Atomwaffen verzichte. Weitere Zugeständnisse seien aus seiner Sicht zunächst nicht zwingend notwendig. Diese Haltung deckt sich mit der Position Teherans: Irans Außenminister Abbas Araghtschi betonte nach den ersten Gesprächen in Oman, man sei ausschließlich zu Verhandlungen über nukleare Fragen bereit. Andere Themen seien für Iran nicht verhandelbar.
Israel hingegen sieht das anders. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will bei seinem Besuch in Washington darauf drängen, dass auch Irans Raketenarsenal und die Unterstützung von Gruppen wie Hamas und Hisbollah Teil eines möglichen Deals werden. Aus israelischer Sicht stellen gerade diese Fähigkeiten eine unmittelbare Bedrohung dar. Doch genau hier liegt das Problem: Für Iran sind ballistische Raketen kein Randthema, sondern ein Kernbestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie.
Militärexperten weisen darauf hin, dass Irans Raketenprogramm historisch gewachsen ist. Seit dem Iran-Irak-Krieg der 1980er-Jahre setzt Teheran auf eine asymmetrische Verteidigungsdoktrin, in deren Zentrum Raketen und regionale Partner stehen. Eine Begrenzung dieser Fähigkeiten käme aus iranischer Perspektive einer grundlegenden Abkehr von jahrzehntelanger Sicherheitsplanung gleich. Vergleichbar sei dies, so Experten, mit der Forderung an die USA, auf ihre Flugzeugträger zu verzichten.
Hinzu kommen praktische Fragen: Selbst wenn Iran theoretisch zu Einschränkungen bereit wäre, wäre deren Überprüfung äußerst schwierig. Eine wirksame Kontrolle würde tiefgreifende Inspektionen von Produktions- und Entwicklungsanlagen erfordern – ein Szenario, das Teheran mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen würde.
Zwar wurde Irans Raketenarsenal durch die militärischen Auseinandersetzungen im vergangenen Jahr erheblich geschwächt, doch bleibt unklar, wie schnell und in welchem Umfang das Land seine Bestände wieder auffüllen kann. Klar ist jedoch: Eine Ausweitung der Verhandlungen auf nicht-nukleare Themen erhöht die Komplexität erheblich.
Damit stehen die Gespräche an einem kritischen Punkt. Während ein rein nukleares Abkommen die Chance auf Entspannung bietet, könnten weitergehende Forderungen zu einer Pattsituation führen – mit potenziell gravierenden Folgen für die Stabilität im Nahen Osten.
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