Ein beispielloser israelischer Luftangriff auf Hamas-Führungsmitglieder in der katarischen Hauptstadt Doha hat weltweit scharfe Reaktionen ausgelöst und die laufenden Vermittlungsbemühungen zur Beendigung des Gaza-Krieges massiv erschüttert. Mindestens sechs Personen kamen bei dem Angriff ums Leben, darunter fünf Mitglieder der Hamas sowie ein katarischer Sicherheitsbeamter.
Ziel war Hamas-Führung – nicht die Verhandlungsdelegation
Der Angriff richtete sich laut israelischen Angaben gegen hochrangige Mitglieder des politischen Büros der Hamas, die sich in einem Wohnviertel in Doha aufhielten. Die Verhandlungsdelegation, die an den laufenden Waffenstillstandsgesprächen beteiligt ist, blieb offenbar unversehrt. Katars Außenministerium bezeichnete den Angriff als „kriminellen Akt“ und als „eklatanten Verstoß gegen internationales Recht“.
Katar reagiert empört – Gespräche vor dem Abbruch
Die katarische Regierung verurteilte die Attacke scharf und sprach von „Staatsterrorismus“. In einer Pressekonferenz erklärte der Premierminister, Katar behalte sich das Recht auf eine Reaktion vor. Zugleich wurde betont, dass die diplomatische Vermittlung ein Teil der katarischen Identität sei – auch wenn man aktuell keine Fortschritte in den Gesprächen sehe.
USA: Späte Information, aber keine direkte Beteiligung
Die US-Regierung distanzierte sich von dem Angriff. Präsidentielle Stellen erklärten, man sei erst kurz vor dem Einschlag informiert worden und habe die katarische Seite nicht mehr rechtzeitig warnen können. Der Präsident betonte, der Angriff sei „nicht seine Entscheidung“ gewesen. Trotzdem versicherte er Katar seine Solidarität und forderte eine Fortsetzung der Vermittlungsrolle des Emirats.
Massive militärische Operation
Laut israelischen Quellen wurden über zehn Kampfjets für den Einsatz eingesetzt. Ziel war ein einzelner Wohnkomplex im westlichen Teil Dohas. Die Flugzeuge, darunter Tarnkappenjets vom Typ F-35I, flogen mit Zwischenbetankung. Die Operation sei „über Monate vorbereitet“ worden, aber kurzfristig beschleunigt worden. Es ist der erste bekannte israelische Luftangriff auf das Staatsgebiet eines Golfstaates.
Internationale Kritik wächst
Der Angriff wurde international vielfach verurteilt. Die Vereinten Nationen, europäische Staaten und mehrere arabische Länder sprachen von einem gefährlichen Präzedenzfall, der die Stabilität der gesamten Region bedrohen könnte. Auch Kanada kritisierte den Angriff scharf als „inakzeptablen Verstoß gegen die Souveränität Katars“.
Gefahr für die letzten Friedensgespräche
Katar war bislang einer der wenigen Vermittler mit direktem Zugang zu beiden Konfliktparteien. Analysten sehen in dem Angriff einen schweren Rückschlag für die letzten noch laufenden diplomatischen Kanäle zur Deeskalation in Gaza. Die Gespräche über einen Waffenstillstand sowie die Freilassung israelischer Geiseln könnten damit vor dem Aus stehen.
Angst bei Familien von Geiseln
Der israelische Koordinator für Geiselangelegenheiten verteidigte den Angriff mit Verweis auf Störungen durch Hamas-Führer im Exil. Angehörige von Geiseln äußerten sich dagegen besorgt. Einige fürchten, dass das Leben der Gefangenen durch die Eskalation noch stärker gefährdet sei.
Einordnung
Der Angriff markiert eine neue Phase im Nahost-Konflikt. Er betrifft nicht nur militärische Ziele, sondern stellt auch ein direktes Risiko für die diplomatische Ordnung in der Region dar. Unklar bleibt, ob der Angriff von israelischer Seite vollständig unabhängig durchgeführt wurde oder ob stille Billigung durch Partnerstaaten im Spiel war.
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