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Israel schließt Übergänge im Westjordanland – Siedlergewalt nimmt im Schatten des Iran-Kriegs zu

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Im Zuge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran hat das israelische Militär sämtliche Grenzübergänge in das und aus dem besetzten Westjordanland geschlossen. Palästinenser können dadurch derzeit weder dringend benötigte Hilfsgüter noch medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Gleichzeitig berichten Menschenrechtsorganisationen von einer Zunahme von Siedlerangriffen.

Nach Angaben der israelischen Behörde für die Koordinierung von Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT) stelle die Öffnung der Übergänge „unter Beschuss“ ein Sicherheitsrisiko dar. Man werde die Übergänge wieder öffnen, sobald es die Sicherheitslage erlaube.

Aktivisten vor Ort berichten zudem, dass auch die Bewegungsfreiheit innerhalb des Westjordanlandes stark eingeschränkt sei. Der Verkehr zwischen einzelnen Distrikten und Verwaltungsbezirken sei nahezu vollständig unterbunden.

Berichte über tödliche Angriffe

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem erklärt, dass die Gewalt radikaler Siedler gegen Palästinenser zugenommen habe, seit sich die internationale Aufmerksamkeit infolge des Krieges gegen den Iran vom Westjordanland abgewandt habe.

Videos, die Aktivisten veröffentlichten, sollen Dutzende maskierte und bewaffnete Siedler zeigen, die auf ein Wohnhaus im Dorf Qaryout südlich von Nablus schießen. Nach Angaben von B’Tselem wurden bei dem Angriff zwei Brüder im Alter von 52 und 48 Jahren getötet.

Aufgrund der Abriegelung hätten Rettungskräfte die Verletzten über eine Stunde lang nicht erreichen können. Kurz darauf sei die israelische Armee eingetroffen und habe 20 Palästinenser festgenommen, so die Organisation weiter.

B’Tselem wirft Israel vor, im Schutz der militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran eine umfassende Abriegelung des Westjordanlandes durchzusetzen, während bewaffnete Siedlergruppen ihre Angriffe ausweiten würden. Ziel sei es, den Druck auf die palästinensische Bevölkerung zu erhöhen.

Das israelische Militär äußerte sich auf Anfrage bislang nicht zu den Vorwürfen.

Hunderte Tote nach Bombardierungen im Iran und Vergeltungsangriffen

Seit Beginn der massiven Luftangriffe der USA und Israels auf iranische Ziele sind laut verschiedenen Quellen mehrere Hundert Menschen getötet worden. Die Angriffe richteten sich unter anderem gegen militärische Einrichtungen und sollen zur Tötung des iranischen Staatsoberhaupts geführt haben. In der Folge eskalierte die Gewalt in der gesamten Region.

Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte im Nahen Osten. Die vom Iran unterstützte Hisbollah bekannte sich zu Raketen- und Drohnenangriffen auf israelisches Gebiet.

Aktuelle Opferzahlen (nach vorliegenden Angaben)

  • Iran: Mindestens 787 Tote durch US-amerikanische und israelische Luftangriffe, darunter 168 Kinder und 14 Lehrkräfte nach einem Angriff auf eine Mädchenschule.

  • Libanon: 52 Tote und 154 Verletzte durch israelische Angriffe.

  • Israel: Mindestens 10 Tote und über 200 Verletzte infolge iranischer Angriffe.

  • Irak: Vier Milizionäre bei einem Luftschlag getötet.

  • Kuwait: Neun Tote, darunter sechs US-Soldaten.

  • Vereinigte Arabische Emirate: Drei Tote.

  • Bahrain: Eine getötete Person infolge von Trümmerteilen eines abgefangenen Geschosses.

Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Region in Alarmbereitschaft – US-Botschaften schließen

Die USA haben mehrere Botschaften im Nahen Osten geschlossen oder ihre Präsenz reduziert. Die US-Vertretung in Saudi-Arabien warnte vor unmittelbar bevorstehenden Raketen- und Drohnenangriffen. Diplomaten und US-Bürger wurden aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen.

Auch im Oman wurde Botschaftspersonal angewiesen, vor Ort zu bleiben. Israel verstärkte unterdessen seine militärische Präsenz im Süden des Libanon.

Die Internationale Atomenergiebehörde bestätigte erstmals Schäden an einer iranischen Anlage zur Urananreicherung.

Wirtschaftliche Folgen: Ölpreise steigen deutlich

Die Eskalation hat unmittelbare Auswirkungen auf die Energiemärkte. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA stieg innerhalb eines Tages um elf Cent auf 3,11 Dollar pro Gallone – der stärkste Anstieg seit 2005. Hintergrund sind unter anderem Angriffe auf Energieinfrastruktur und die faktische Schließung der Straße von Hormus, einer zentralen Öltransportroute.

Auch die Rohölpreise zogen deutlich an.

Politische Spannungen wachsen

US-Präsident Donald Trump erklärte, Iran wolle Gespräche aufnehmen, es sei jedoch „zu spät“. Gleichzeitig hatte er zuvor Gesprächsbereitschaft signalisiert. Beobachter sehen darin widersprüchliche Signale in einer ohnehin angespannten Lage.

In Großbritannien wächst die Sorge, das Land könnte tiefer in den Konflikt hineingezogen werden, nachdem britische Militärbasen in der Region Ziel von Drohnenangriffen wurden. Die Regierung betont jedoch weiterhin, sich nicht aktiv an Offensivmaßnahmen zu beteiligen.

Die Lage im Nahen Osten bleibt hochdynamisch. Militärische Eskalationen, diplomatische Unsicherheiten und wirtschaftliche Auswirkungen greifen ineinander. Ein Ende der Kampfhandlungen ist derzeit nicht absehbar.

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