Der britische Verteidigungsminister John Healey hat erklärt, dass der Schutz britischer Militärangehöriger und Zivilisten im Nahen Osten vor „wahllosen Angriffen“ Irans derzeit oberste Priorität habe.
Im Gespräch mit der BBC sagte Healey, dass „niemand um ihn trauern werde“, nachdem Irans Oberster Führer Ayatollah Ali Chamenei am ersten Tag gemeinsamer Luftangriffe der USA und Israels auf Iran getötet worden war.
Nach Angaben des Ministers befanden sich auf einem Militärstützpunkt in Bahrain rund 300 britische Soldaten, von denen einige nur wenige hundert Meter von einem iranischen Raketen- und Drohnenangriff am Samstag entfernt waren. Zudem seien zwei ballistische Raketen in Richtung Zypern abgefeuert worden, wobei man davon ausgehe, dass diese nicht gezielt auf Zypern gerichtet gewesen seien.
Großbritannien beteiligte sich nicht an den US-israelischen Angriffen auf Iran. Dennoch überprüft die Regierung nach Healeys Worten derzeit die Terrorwarnstufe im Vereinigten Königreich.
Seit Samstag habe Iran mehrere Wellen von Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und im Irak gestartet. Diese Entwicklung zeige, so Healey, dass britische Militärangehörige und Zivilisten durch ein Regime gefährdet seien, das zunehmend unkontrolliert und ohne Rücksicht vorgehe.
Die Schutzmaßnahmen für britische Militäranlagen in der Region seien auf das höchste Niveau angehoben worden. Kampfflugzeuge vom Typ F-35 und Typhoon, stationiert in Zypern und Katar, seien weiterhin im Rahmen defensiver Operationen im Einsatz. Zudem habe eine britische Einheit im Irak eine iranische Drohne abgefangen, die auf einen Stützpunkt mit britischer Beteiligung zusteuerte.
Auf wiederholte Nachfrage, ob die britische Regierung die US-israelischen Angriffe unterstütze oder für völkerrechtlich zulässig halte, wich Healey einer klaren Antwort aus. Zwar teile Großbritannien das Ziel seiner Verbündeten und der USA, dass Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe, doch sei es Sache der USA, die rechtliche Grundlage ihres Vorgehens darzulegen.
Auch zur Frage einer möglichen künftigen britischen Beteiligung an weiteren Angriffen wollte sich Healey nicht äußern.
Die konservative Außenpolitikerin Priti Patel begrüßte die US-israelischen Angriffe ausdrücklich und bezeichnete deren moralische Grundlage als „absolut richtig“. Zugleich forderte sie, die britische Regierung müsse nun sicherstellen, dass es keine aktuellen oder drohenden Gefahren für das Vereinigte Königreich gebe. Sie bot an, die Regierung bei Gesetzesinitiativen gegen die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) zu unterstützen und entsprechende Maßnahmen zügig durch das Parlament zu bringen.
Die IRGC gelten als mächtigste Institution Irans und sind für den Schutz des islamischen Systems des Landes zuständig.
Der Vorsitzende der Green Party, Zack Polanski, sprach hingegen von einem „illegalen und nicht provozierten Angriff“ auf Iran und kritisierte, dass britische Minister dies nicht verurteilten. Er äußerte die Sorge, Großbritannien könne in einen weiteren rechtswidrigen Krieg hineingezogen werden.
Auch Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK, forderte, Großbritannien solle dem Beispiel der Europäischen Union folgen und die Revolutionsgarden als Terrororganisation einstufen.
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