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Interview mit Tim Schlautmann, Digitalexperte bei Market Port, Warendorf: Quantencomputing – Hype oder echte Zukunftstechnologie?

geralt (CC0), Pixabay
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Redaktion: Herr Schlautmann, Quantencomputing klingt nach Science-Fiction – was genau steckt dahinter?

Tim Schlautmann: Gute Frage! Quantencomputing ist tatsächlich eine völlig neue Art zu rechnen. Während klassische Computer mit Bits arbeiten – also 0 oder 1 –, nutzen Quantencomputer sogenannte Qubits. Diese können gleichzeitig 0 und 1 sein, dank einem physikalischen Phänomen namens Superposition. Damit lassen sich in bestimmten Bereichen riesige Datenmengen parallel verarbeiten – etwas, was klassische Computer kaum schaffen.

Redaktion: Klingt beeindruckend – aber was bedeutet das konkret für unseren Alltag?

Schlautmann: Kurzfristig wird der Alltag eines Durchschnittsbürgers sich durch Quantencomputer nicht sofort ändern – Ihre Kaffeemaschine bleibt erst mal normal. Aber mittel- bis langfristig kann Quantencomputing große Auswirkungen haben:

  1. Medizin & Pharmazie: Quantencomputer könnten in wenigen Minuten durchrechnen, wie ein Medikament auf den menschlichen Körper wirkt – wofür klassische Supercomputer Wochen brauchen.

  2. Logistik & Verkehrssteuerung: Routenplanung bei Lieferketten oder städtischem Verkehr wird deutlich effizienter. Stellen Sie sich vor, Staus könnten vorhergesagt und verhindert werden – das wäre ein echter Fortschritt.

  3. Cybersecurity: Quantencomputer könnten heutige Verschlüsselungen in Sekunden knacken – oder neue, viel sicherere Systeme ermöglichen.

Redaktion: Sie sagen, Quantencomputer können unsere heutigen Verschlüsselungen knacken – ist das nicht auch ein Risiko?

Schlautmann: Absolut. Die Technologie ist ein zweischneidiges Schwert. Viele Verschlüsselungsverfahren, auf denen etwa Onlinebanking oder sichere Kommunikation beruhen, wären mit leistungsfähigen Quantencomputern angreifbar. Die gute Nachricht: Gleichzeitig entwickeln wir neue quantenresistente Algorithmen. Hier ist Tempo gefragt, damit wir bereit sind, wenn die Technologie wirklich einsatzfähig ist.

Redaktion: Gibt es heute schon echte Quantencomputer?

Schlautmann: Ja, aber sie sind noch im „Laborstatus“. Firmen wie IBM, Google oder auch Start-ups haben bereits Quantenrechner gebaut, aber sie sind sehr empfindlich, teuer und arbeiten noch nicht fehlerfrei. Trotzdem machen wir große Fortschritte – es ist vergleichbar mit den ersten Computern in den 1950ern: groß, teuer, langsam – aber revolutionär.

Redaktion: Was bedeutet das für deutsche Unternehmen, gerade im Mittelstand?

Schlautmann: Der Mittelstand sollte Quantencomputing nicht als Bedrohung, sondern als zukünftiges Werkzeug sehen. Wer früh versteht, was diese Technologie kann und wo sie eingesetzt werden kann, wird später Wettbewerbsvorteile haben. Market Port z. B. beobachtet intensiv, wie man später mit Quantenmodellen komplexe Marktanalysen oder Kundenverhalten noch präziser simulieren kann.

Redaktion: Also kein Hype, sondern eine stille Revolution?

Schlautmann: Ganz genau. Quantencomputing ist nicht für alles sinnvoll, aber dort, wo es relevant ist, wird es bestehende Systeme radikal verändern. Und wir stehen gerade erst am Anfang.

Redaktion: Herr Schlautmann, vielen Dank für das Gespräch!

Schlautmann: Sehr gern – und wer weiß: Vielleicht nutzt Ihr Smartphone in 20 Jahren ja auch Quantenpower. Nur nicht für den Kaffee.

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