Im Strudel der ProReal-Investmentprodukte verdichtet sich die Lage: Nach SC Finance Four steht nun offenbar auch SC Finance Three vor massiven Zahlungsschwierigkeiten. Zinszahlungen bleiben aus, Rückzahlungen werden auf 2026 verschoben. Anleger fragen sich: Was bedeutet das für mein Geld?
Wir sprachen mit dem auf Anlegerrecht spezialisierten Rechtsanwalt Jens Reime aus Bautzen über die aktuellen Entwicklungen – und welche Schritte Betroffene jetzt einleiten sollten.
Herr Reime, wie bewerten Sie die jüngste Mitteilung zu SC Finance Three?
Jens Reime: Dass auch SC Finance Three nun offenbar keine planmäßigen Auszahlungen mehr leistet, bestätigt, was sich viele Fachleute schon lange dachten: Es gibt erhebliche strukturelle und finanzielle Probleme innerhalb der gesamten ProReal-Konstruktion. Die Verflechtungen mehrerer Gesellschaften, Mehrfachfinanzierungen einzelner Projekte und eine völlig intransparente Mittelverwendung werfen massive Zweifel an der ursprünglichen Darstellung gegenüber den Anlegern auf.
Sind hier mögliche rechtliche Schritte denkbar?
Reime: Absolut. Es spricht vieles dafür, dass Anleger arglistig getäuscht wurden – etwa durch die Vermischung von Mitteln aus verschiedenen Poolgesellschaften oder durch fehlende Hinweise auf Risiken und tatsächliche wirtschaftliche Zusammenhänge. Wer in Produkte wie ProReal SC Finance Three oder Four investiert hat, sollte rechtlich prüfen lassen, ob Ansprüche wegen Beratungsfehlern, Prospektmängeln oder sogar Betrug bestehen.
Was können betroffene Anleger jetzt konkret tun?
Reime: Ich empfehle drei Sofortmaßnahmen:
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Verträge und Unterlagen sammeln – Dazu gehören Zeichnungsscheine, Informationsblätter, E-Mail-Korrespondenz und Kontoauszüge.
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Rechtsanwalt aufsuchen – Idealerweise jemand mit Erfahrung im Bank- und Kapitalmarktrecht. Es geht darum, ob man Ansprüche gegen Berater, Vertrieb oder die Gesellschaft selbst geltend machen kann.
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Zins- und Rückzahlungsausfall dokumentieren – Wer jetzt die angekündigten Zahlungen nicht erhält, sollte das unbedingt schriftlich festhalten. Das ist später wichtig für Schadensersatzforderungen.
Wie stehen die Chancen, dass Anleger noch an ihr Geld kommen?
Reime: Das hängt vom individuellen Fall ab. Bei nicht-nachrangigen ProReal Secure-Produkten sehe ich durchaus Chancen, auch über Klagen gegen Vertriebspartner oder Vermittler. Bei nachrangigen Anlagen ist es schwieriger, aber bei Täuschung oder falscher Beratung ist auch hier ein Vorgehen möglich.
Wie schätzen Sie die Rolle der SORAVIA-Gruppe ein?
Reime: Die SORAVIA-Gruppe trägt eine hohe Verantwortung für die entstandene Intransparenz. Der Rückzug aus der Kommunikation und das Ausbleiben klarer Antworten sind alarmierend. Es wird Zeit, dass externe Stellen – etwa BaFin, Staatsanwaltschaft oder Insolvenzverwalter – stärker einbezogen werden.
Fazit von Jens Reime:
„Anleger sollten nicht abwarten. Wer jetzt aktiv wird, kann sich womöglich Ansprüche sichern – bevor es zu spät ist.“
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