Redaktion: Herr Reime, die Finanzaufsicht BaFin warnt aktuell vor plötzlichen Marktkorrekturen – was genau ist damit gemeint?
Rechtsanwalt Jens Reime: Ganz einfach gesagt: Die BaFin befürchtet, dass die Kurse an den Börsen plötzlich und heftig einbrechen könnten – und viele Anleger dann kalt erwischt werden. Die Stimmung an den Märkten ist derzeit zwar sehr optimistisch, aber das heißt nicht, dass die Risiken verschwunden sind. Im Gegenteil: Es brodelt unter der Oberfläche – geopolitisch, wirtschaftlich und finanziell.
Redaktion: Was sind das für Risiken, auf die die BaFin hinweist?
Reime: Die BaFin nennt eine ganze Reihe: Zum einen gibt es militärische Konflikte und Spannungen im Welthandel, zum anderen sind viele Staaten hoch verschuldet – das betrifft sogar große Industrienationen wie die USA oder Frankreich. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen wirtschaftlich schwächeln. Die Zahl der Insolvenzen steigt, und das belastet auch die Banken, weil sie auf Krediten sitzen bleiben, die nicht mehr zurückgezahlt werden.
Redaktion: Und welche Rolle spielt die Künstliche Intelligenz dabei?
Reime: Der KI-Boom hat viele Aktienkurse in die Höhe getrieben – besonders bei Tech-Unternehmen. Aber die BaFin fragt sich zu Recht: Ist das wirklich nachhaltig? Oder ist das vielleicht übertrieben und kippt bald wieder? Wenn sich herausstellt, dass die Erwartungen zu hoch waren, kann es schnell zu Kurseinbrüchen kommen.
Redaktion: Die BaFin warnt auch speziell vor Gefahren für Verbraucher – was meinen die damit?
Reime: Da geht es um zwei Dinge. Erstens: Viele Menschen nutzen „Buy now, pay later“-Angebote – also jetzt kaufen, später zahlen. Klingt bequem, aber es führt schnell zur Überschuldung, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Zweitens: Immer mehr Menschen lassen sich bei Finanzentscheidungen von Finfluencern auf Instagram, TikTok oder YouTube beeinflussen – oft ohne fundierte Beratung. Dabei werden häufig riskante Anlageformen wie Kryptowährungen empfohlen.
Redaktion: Was raten Sie Privatanlegern angesichts dieser Warnungen?
Reime: Ganz klar: Nicht jedem Trend blind folgen! Keine Investition ohne eigene Recherche. Und man sollte sich nicht allein auf Social Media oder emotionale Geschichten verlassen. Wer sein Geld anlegt, sollte das mit Verstand tun – und im Zweifel lieber einen Fachmann fragen, statt einem Influencer.
Redaktion: Also lieber aufpassen statt mitreißen lassen?
Reime: Genau. Die Börse ist keine Spielwiese – und schon gar kein Casino. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, muss auch mit Rückschlägen rechnen. Aber wenn man solide plant und Risiken streut, kann man auch schwierige Phasen gut überstehen.
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Reime.
👉 Kurz erklärt:
- Marktkorrektur = Plötzlicher Kursrückgang an der Börse
- „Buy now, pay later“ = Jetzt kaufen, später zahlen – kann zur Überschuldung führen
- Finfluencer = Personen, die in sozialen Medien über Geldanlagen sprechen – oft ohne Lizenz
- BaFin = Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – kontrolliert Banken und Finanzmärkte in Deutschland
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