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Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime zu aktuellen BaFin-Warnmeldungen: „Betroffene sollten schnell handeln“

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Herr Reime, die BaFin warnt aktuell vor mehreren Websites wie capitalisgroup(.)site, financiamas-cs(.)com und imc-point(.)com. Worum geht es dabei genau?

Die BaFin warnt vor Anbietern, die ohne die erforderliche Erlaubnis Bankgeschäfte, Finanzdienstleistungen oder Kryptowerte-Dienstleistungen anbieten. Konkret geht es um Kreditangebote sowie um Krypto-Dienstleistungen, die in Deutschland nur mit einer ausdrücklichen Erlaubnis der Finanzaufsicht betrieben werden dürfen. Liegt diese Erlaubnis nicht vor, handelt es sich um unerlaubte Geschäfte – und für Verbraucher besteht ein erhebliches Risiko, Opfer eines Betrugs zu werden.

Warum ist die BaFin-Erlaubnis so entscheidend?

Die Erlaubnis ist ein zentrales Schutzinstrument. Unternehmen, die Bank- oder Finanzdienstleistungen anbieten, müssen bestimmte gesetzliche Anforderungen erfüllen, etwa in Bezug auf Eigenkapital, Transparenz und Geldwäscheprävention. Fehlt diese Zulassung, gibt es keinerlei staatliche Aufsicht oder Kontrolle. Verbraucher haben dann im Zweifel keinen wirksamen Ansprechpartner und kaum Schutzmechanismen.

Was droht Verbrauchern, die bereits Geld an solche Anbieter überwiesen haben?

In vielen Fällen sehen wir, dass Betroffene entweder keine Auszahlung erhalten oder weitere Zahlungen leisten sollen – etwa für angebliche Gebühren, Steuern oder „Freischaltungen“. Das Geld ist häufig nicht investiert worden, sondern direkt abgeflossen. Je schneller Betroffene reagieren, desto größer sind die Chancen, Zahlungsströme nachzuvollziehen und gegebenenfalls Rückforderungsansprüche zu prüfen.

Wie sollten Betroffene konkret vorgehen?

Zunächst sollte umgehend die eigene Bank informiert werden. Möglicherweise kann eine Überweisung noch gestoppt oder zumindest dokumentiert werden. Anschließend empfehle ich, Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erstatten – darauf weist auch die BaFin ausdrücklich hin.

Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob zivilrechtliche Ansprüche bestehen. In bestimmten Konstellationen kommen Schadensersatzansprüche gegen beteiligte Zahlungsdienstleister in Betracht, insbesondere wenn Warnsignale übersehen wurden. Hier ist eine individuelle rechtliche Prüfung entscheidend.

Die BaFin warnt auch vor Jobangeboten als „Teilzeit-Auszahlungsassistent“ auf metaflows(.)work. Was steckt dahinter?

Das ist ein klassisches „Finanzagenten“-Modell. Personen werden angeworben, ihr eigenes Bankkonto zur Verfügung zu stellen, um angeblich legale Zahlungsabwicklungen vorzunehmen. Tatsächlich stammen die Gelder häufig aus Betrugsdelikten. Wer sein Konto zur Weiterleitung solcher Gelder nutzt, macht sich unter Umständen selbst strafbar – etwa wegen Geldwäsche.

Was sollten Personen tun, die auf ein solches Jobangebot hereingefallen sind?

Sofort keine weiteren Transaktionen mehr durchführen und die eigene Bank informieren. Zudem sollte unverzüglich anwaltlicher Rat eingeholt werden, insbesondere wenn bereits Ermittlungen eingeleitet wurden oder eine Kontosperrung erfolgt ist. Auch hier ist eine proaktive Strafanzeige sinnvoll, um die eigene Rolle transparent darzustellen.

Wie können Verbraucher sich generell schützen?

Ein erster Schritt ist immer die Prüfung in der Unternehmensdatenbank der BaFin. Dort lässt sich schnell feststellen, ob ein Anbieter über eine Erlaubnis verfügt. Misstrauisch sollte man insbesondere werden bei:

  • unrealistisch günstigen Kreditangeboten

  • Vorkosten oder „Bearbeitungsgebühren“ vor Auszahlung

  • Druck zur schnellen Entscheidung

  • ausschließlicher Kommunikation über Messenger-Dienste

  • fehlendem oder unklarem Impressum

Und ganz wichtig: Seriöse Kreditgeber verlangen keine Vorauszahlungen.

Ihr Fazit?

Die aktuellen Warnungen zeigen erneut, wie professionell solche Angebote inzwischen auftreten. Verbraucher sollten Angebote im Finanzbereich niemals ungeprüft annehmen. Wer bereits betroffen ist, sollte nicht aus Scham zögern, sondern schnell handeln – je früher reagiert wird, desto besser stehen die Chancen, Schäden zu begrenzen.

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