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Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime: „Solaris muss klar sagen, was der Kunde falsch gemacht haben soll“

qimono (CC0), Pixabay
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Herr Reime, die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat eine Unterlassungsklage gegen das Berliner Fintech Solaris eingereicht. Worum geht es in dem Fall genau?
Es geht um einen ADAC-Kreditkartenkunden, der Opfer eines mutmaßlichen Betrugs wurde. Ihm wurde ein Zahlungsvorgang in Höhe von 4.616,85 Euro unterstellt, den er nicht autorisiert haben will. Solaris fordert nun die Rückzahlung – aus Sicht der Verbraucherzentrale zu Unrecht. Die Klage richtet sich daher gegen die Praxis, solche Forderungen ohne ausreichenden Nachweis geltend zu machen.

Was wird Solaris konkret vorgeworfen?
Der zentrale Vorwurf ist, dass der Kunde nicht darüber informiert wurde, inwiefern er gegen Sicherheitsvorgaben verstoßen oder grob fahrlässig gehandelt haben soll. Wenn eine Bank davon ausgeht, dass ein Zahlungsvorgang autorisiert wurde oder der Kunde durch sein Verhalten den Betrug ermöglicht hat, muss sie das auch belegen können – das ist rechtlich eindeutig geregelt.

Wie stehen die Chancen der Verbraucherzentrale vor Gericht?
Aus meiner Sicht gut. Das Gesetz sagt klar, dass die bloße Nutzung eines Zahlungsinstruments – also etwa die Eingabe einer PIN – nicht automatisch bedeutet, dass der Kunde den Zahlungsvorgang autorisiert hat. Eine Bank darf nicht einfach behaupten: „Sie sind schuld“ – sie muss es nachweisen.

Was bedeutet dieser Fall für andere betroffene Kreditkartenkunden?
Er könnte Signalwirkung haben. Besonders bei den ADAC-Kreditkarten, die durch massive Phishing-Attacken seit Januar 2025 unter Druck stehen. Wenn das Gericht der Verbraucherzentrale recht gibt, stärkt das die Rechte aller Opfer digitaler Betrugsfälle – auch über den ADAC hinaus.

Solaris betont, man investiere in Sicherheitsmaßnahmen und Kundenaufklärung. Genügt das nicht?
Sicherheitsmaßnahmen sind wichtig, gar keine Frage. Aber wenn ein Betrug passiert, muss die Aufarbeitung rechtskonform erfolgen. Kunden brauchen klare Informationen, nicht nur technische Systeme. Transparenz ist kein Zusatzservice, sondern Pflicht.

Danke für das Gespräch, Herr Reime.
Gern geschehen.

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