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Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime aus Bautzen zum Festzins-Angebot der 123 Invest Finanzgesellschaft

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Redaktion: Herr Reime, ein Unternehmen wirbt mit einer festverzinslichen Anleihe mit 6,5 % Zinsen pro Jahr und betont seine technologische Expertise und Erfahrung. Die Frage, die sich viele Anleger stellen: Kann man diesem Angebot vertrauen?

Rechtsanwalt Jens Reime: Solche Angebote klingen auf den ersten Blick attraktiv – vor allem in Zeiten anhaltender Inflation und historisch niedriger Zinsen. Aber wie so oft bei Geldanlagen mit hohen Versprechungen gilt: Augen auf und genau hinschauen. Denn auch ein hoher Zinssatz will erst einmal verdient sein – und ist fast nie risikolos.

Redaktion: Das Unternehmen wirbt mit 9,1 Milliarden Euro Handelsvolumen und einer durchschnittlichen Performance von über 24 % – das klingt nach beeindruckender Expertise. Ist das ein positives Signal?

Reime: Zahlen beeindrucken – das wissen auch die Marketingabteilungen. Aber Anleger sollten sich nicht blenden lassen. Die genannte „Performance“ basiert laut Anbieter auf Backtests, also rückblickenden Rechenmodellen. Diese sagen nichts über zukünftige Gewinne aus. Und 9 Milliarden Transaktionsvolumen? Das ist im Hochfrequenzhandel innerhalb kurzer Zeit möglich – sagt aber nichts über die finanzielle Stabilität des Unternehmens aus.

Redaktion: Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Es handelt sich um eine festverzinsliche Unternehmensanleihe.

Reime: Und damit besteht immer das sogenannte Emittentenrisiko – also das Risiko, dass das Unternehmen zahlungsunfähig wird. Selbst wenn in der Vergangenheit Zinsen ausgezahlt wurden, ist das keine Garantie für die Zukunft. Besonders kritisch ist hier: Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren laut öffentlich zugänglichen Quellen mehrfach Umtauschangebote für bestehende Anleihen unterbreitet. Das bedeutet: Anleger wurden aufgefordert, ihre bestehenden Papiere gegen neue, oft länger laufende Anleihen zu tauschen – ein möglicher Hinweis auf Liquiditätsengpässe.

Redaktion: Sie sprechen vom sogenannten „Schulden-Rollover“?

Reime: Ganz genau. Solche Tauschangebote sind in der Regel nicht im Interesse der Anleger, sondern im Interesse des Unternehmens, das auf diese Weise Zeit gewinnt – oft auf Kosten des Vertrauens. Wer solche Umtausche einmal gemacht hat, kann es wieder tun. Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit, nicht durch das ständige Strecken von Rückzahlungen.

Redaktion: Wie sollten sich interessierte Anleger also verhalten?

Reime: Ich rate dringend, den Wertpapierprospekt gründlich zu lesen. Dort finden sich alle relevanten Informationen – auch zu Risiken. Niemand sollte sich nur auf bunte Werbebroschüren oder hohe Renditen verlassen. Und ganz wichtig: Festzins heißt nicht „sicher“, sondern nur „fix vereinbart“ – wenn der Emittent zahlungsfähig bleibt.

Redaktion: Ihr Fazit?

Reime: Wer ein klares Risikobewusstsein hat und notfalls auch mit einem Verlust leben kann, kann sich näher informieren. Wer jedoch sein Erspartes langfristig sichern will, sollte sehr vorsichtig sein. Besonders dann, wenn das Unternehmen schon in der Vergangenheit auf Umtausche angewiesen war. Vertrauen will verdient sein – nicht beworben.

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