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Interview: „Gefälschte Token sind kein Spielzeug – das ist knallharter Identitätsbetrug“

TungArt7 (CC0), Pixabay
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Redaktion

:
Herr Blazek, die BaFin warnt aktuell vor gefälschten Token mit dem Namen „EURAU“. Was genau steckt hinter dieser Warnung?

Daniel Blazek:
Die BaFin hat mit dieser Warnung auf einen ganz klassischen Fall von Identitätsmissbrauch im digitalen Finanzmarkt reagiert. Es wird der Eindruck erweckt, dass es sich bei diesen sogenannten „EURAU-Token“ um ein seriöses, vielleicht sogar von der Deutsche Bank oder der AllUnity GmbH autorisiertes Anlageprodukt handelt – das ist aber falsch. Die betroffenen Unternehmen haben mit dem Angebot nichts zu tun. Die Namen werden missbraucht, um Vertrauen zu erwecken und potenzielle Anleger zu täuschen.

Redaktion:
Was genau ist denn eigentlich ein Token – und woran erkennt man, ob er „echt“ ist?

Blazek:
Ein Token ist ganz einfach gesagt eine digitale Repräsentation eines Werts, oft basierend auf einer Blockchain. Das kann ein Zahlungsmittel sein, ein Anteil an einem Projekt, eine digitale Eintrittskarte – es kommt auf den Verwendungszweck an. Wichtig ist aber: Nicht jeder Token ist automatisch legal oder sicher.

Im Europäischen Wirtschaftsraum regelt die neue MiCAR-Verordnung (Markets in Crypto-Assets Regulation), welche Voraussetzungen ein Anbieter erfüllen muss. Dazu gehören eine Zulassung durch die BaFin oder eine andere europäische Aufsicht sowie ein sogenanntes Whitepaper, also ein öffentliches Dokument, das alle Risiken und technischen Details erklärt. Wenn das fehlt – wie im Fall „EURAU“ – ist das ein klares Warnsignal.

Redaktion:
Was bedeutet das konkret für Anlegerinnen und Anleger?

Blazek:
Ganz einfach: Finger weg! Wenn ein Token nicht über eine Zulassung verfügt und kein MiCAR-konformes Whitepaper eingereicht wurde, ist höchste Vorsicht geboten. Das Risiko, Opfer eines Betrugs zu werden, ist enorm hoch. Wer investiert, hat unter Umständen keinen rechtlichen Schutz – das Geld ist im schlimmsten Fall komplett weg.

Redaktion:
Warum ist es so einfach, gefälschte Token online anzubieten?

Blazek:
Weil das Internet leider ein perfekter Ort für scheinbar seriöse Täuschung ist. Ein paar gut gestaltete Webseiten, Logos bekannter Banken, ein bisschen Krypto-Slang – und schon sieht ein Scam wie eine legitime Investitionschance aus. Solche Plattformen agieren oft außerhalb der EU, was es für Aufsichtsbehörden und Opfer schwer macht, zu handeln.

Redaktion:
Wie können sich besonders junge Anleger schützen?

Blazek:
Erstens: Nie investieren, nur weil ein Name bekannt klingt. Zweitens: Immer prüfen, ob der Anbieter auf der Website der BaFin oder der europäischen ESMA gelistet ist. Drittens: Keine Anlageentscheidung allein auf Basis von Versprechen im Internet treffen. Und viertens: Kritisch bleiben, vor allem bei hohen Renditeversprechen oder „Schnäppchen-Zeitfenstern“ – das sind klassische Methoden von Betrügern.

Redaktion:
Letzte Frage: Gibt es Konsequenzen für die Betreiber solcher Fake-Token?

Blazek:
In der Theorie ja – sie machen sich strafbar. Aber praktisch operieren viele aus Ländern mit schwacher Strafverfolgung oder über verschleierte Strukturen. Deshalb ist Prävention so wichtig: Wenn niemand investiert, lohnt sich der Betrug nicht. Genau deswegen ist auch die Warnung der BaFin so zentral.

Redaktion:
Herr Blazek, vielen Dank für die klaren Worte.

Blazek:
Gerne. Und mein Rat an alle: Vorsicht ist kein Misstrauen – sie ist finanzieller Selbstschutz.

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