Gespräch mit Rechtsanwalt Jens Reime, Bautzen, zur aktuellen Anklage gegen die mutmaßliche OneCoin-Gründerin Ruja Ignatova.
Frage: Herr Reime, waren Sie überrascht von der nun erhobenen Anklage gegen Ruja Ignatova, die als „Krypto-Queen“ und Mitgründerin des OneCoin-Systems gilt?
Jens Reime: Nein, überrascht war ich nicht. Ich vertrete seit Jahren Mandanten, die Opfer dieses Schneeballsystems geworden sind. Bereits kurz nach Beginn der Ermittlungen in den USA habe ich eine Geschädigtengemeinschaft ins Leben gerufen, die regelmäßig über den Fortgang der Verfahren informiert wurde – auch über Entwicklungen in den USA.
Frage: Wie war zuletzt die Informationslage für die Geschädigten?
Jens Reime: In den vergangenen Jahren war es sehr ruhig geworden. Vor allem deshalb, weil Frau Ignatova bis heute nicht verhaftet werden konnte. Dadurch kam vieles ins Stocken. Mit der jetzigen Anklage könnte sich das ändern – es könnte ein Wendepunkt in der Sache sein.
Frage: Welche Schritte planen Sie nun?
Jens Reime: Ich werde die Geschädigtengemeinschaft wieder aktivieren. Jeder, der durch OneCoin geschädigt wurde, kann sich dieser anschließen. Die Schutzgebühr beträgt einmalig 150 Euro. Ziel ist es, Betroffenen eine zentrale Anlaufstelle zu bieten und sie über alle relevanten Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.
Frage: Warum ist eine Geschädigtengemeinschaft aus Ihrer Sicht sinnvoll?
Jens Reime: Viele Opfer fühlen sich allein gelassen und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. In einer Gemeinschaft können Informationen gebündelt, Kosten verteilt und rechtliche Schritte koordiniert werden. Das erhöht die Chance, dass Geschädigte am Ende tatsächlich Ansprüche geltend machen können – auch wenn das angesichts der Dimension von OneCoin sicher kein leichter Weg wird.
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