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Interview: Bürgerbeteiligung „KraftQuelle“ – Chancen, aber auch Risiken für Anleger

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Die infra fürth startet im März 2026 eine neue Bürgerbeteiligung namens „KraftQuelle“. Bürgerinnen und Bürger können über sogenannte Genussrechte Geld investieren und damit Infrastrukturprojekte rund um Trinkwasser- und Energieversorgung unterstützen. Die Verzinsung liegt zwischen 3,0 und 3,25 Prozent, bei einer Mindestanlage von 1.000 Euro und einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren.

Doch neben den möglichen Erträgen gibt es auch Risiken. Im Gespräch erklärt Rechtsanwalt Niklas Linnemann, worauf Anleger unbedingt achten sollten – und warum im Extremfall sogar ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich sein kann.

Herr Linnemann, die Bürgerbeteiligung „KraftQuelle“ wird als attraktive Möglichkeit dargestellt, in lokale Infrastruktur zu investieren. Wie beurteilen Sie dieses Modell grundsätzlich?

Grundsätzlich sind Bürgerbeteiligungen ein interessantes Instrument. Sie ermöglichen es Kommunen oder kommunalen Unternehmen, Projekte zu finanzieren und gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger einzubinden. Viele Menschen finden es attraktiv, wenn ihr Geld direkt in Projekte in ihrer eigenen Stadt fließt, etwa in Stromnetze, Wasserinfrastruktur oder erneuerbare Energien.

Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass solche Modelle keine klassischen Sparanlagen sind. Sie unterscheiden sich deutlich von einem Tagesgeldkonto oder einem Festgeld bei der Bank.

Worin liegt der entscheidende Unterschied?

Bei „KraftQuelle“ handelt es sich um Genussrechte. Das ist eine spezielle Form der Kapitalanlage. Anleger stellen dem Unternehmen Kapital zur Verfügung, erhalten dafür eine Verzinsung, haben aber keine Eigentumsrechte wie Aktionäre und oft auch keine klassischen Sicherheiten wie bei einem Bankkredit.

Das bedeutet: Anleger tragen unternehmerische Risiken mit.

Was bedeutet das konkret für Investoren?

Konkret heißt das, dass Anleger im Insolvenzfall oder bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens nachrangig behandelt werden können. In solchen Fällen werden zuerst Banken und andere vorrangige Gläubiger bedient.

Erst danach kommen die Inhaber von Genussrechten an die Reihe – und häufig bleibt dann nichts mehr übrig. Deshalb muss man offen sagen: Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist grundsätzlich möglich.

Viele Bürger denken bei kommunalen Projekten wahrscheinlich an eine besonders sichere Anlage. Ist das ein Irrtum?

Zumindest teilweise. Kommunale Projekte genießen oft ein hohes Vertrauen, weil sie mit öffentlicher Infrastruktur verbunden sind. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Anlage risikofrei ist.

Selbst bei wirtschaftlich stabilen Unternehmen können sich Rahmenbedingungen ändern – etwa durch steigende Kosten, politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Entwicklungen. Anleger sollten daher niemals davon ausgehen, dass eine solche Beteiligung mit einem Sparkonto vergleichbar ist.

Die Verzinsung liegt bei etwa drei Prozent. Ist das Ihrer Meinung nach eine angemessene Rendite für das Risiko?

Das hängt stark von der individuellen Risikobereitschaft ab. Drei Prozent wirken auf den ersten Blick attraktiv, wenn man sie mit klassischen Sparprodukten vergleicht.

Man muss jedoch bedenken, dass hier ein unternehmerisches Risiko besteht. In der Finanzwelt gilt grundsätzlich: Je höher das Risiko, desto höher sollte auch die mögliche Rendite sein. Anleger sollten daher sorgfältig prüfen, ob das Verhältnis für sie persönlich passt.

Worauf sollten Interessierte achten, bevor sie investieren?

Zunächst sollten sie unbedingt den Verkaufsprospekt und die Informationsblätter vollständig lesen. Diese Dokumente enthalten wichtige Hinweise zu Risiken, Laufzeit und Kündigungsmöglichkeiten.

Außerdem empfehle ich, nur Geld zu investieren, dessen Verlust man im schlimmsten Fall verkraften kann. Solche Anlagen sollten immer nur einen kleinen Teil eines breiter gestreuten Vermögens ausmachen.

Ihr Fazit zur Bürgerbeteiligung „KraftQuelle“?

Die Idee, Bürger an Infrastrukturprojekten zu beteiligen, kann sinnvoll sein und zur lokalen Entwicklung beitragen. Trotzdem sollten Anleger sich nicht allein von der Nähe zum Projekt oder der positiven Darstellung leiten lassen.

Wer investiert, sollte wissen: Es handelt sich um eine risikobehaftete Kapitalanlage – und im Extremfall ist ein vollständiger Verlust des investierten Geldes möglich.

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