Interne Unterlagen von Meta zeigen, dass sich unternehmenseigene Forscher bereits 2018 mit der Frage beschäftigten, ob bestimmte Facebook-Funktionen „suchtähnliches“ Verhalten fördern könnten. Die Dokumente wurden nun im Rahmen eines Gerichtsverfahrens veröffentlicht – und werfen ein neues Licht auf die Debatte um mögliche Risiken sozialer Medien, insbesondere für Jugendliche.
Während Meta-Manager zuletzt vor Gericht in Los Angeles betonten, die Nutzung der Plattformen könne zwar problematisch sein, erfülle jedoch nicht die Kriterien einer klinischen Sucht, zeigen die internen Papiere ein differenzierteres Bild. Darin schlagen Mitarbeiter eine öffentliche Prüfung („Audit“) von Design-Elementen vor, die „häufige, automatische und unerwünschte Verhaltensweisen“ fördern könnten.
Genannt werden unter anderem Funktionen wie Autoplay bei Videos, endloses Scrollen („Endless Scroll“) und Benachrichtigungen über „Likes“. Diese könnten Gewohnheiten verstärken, die Nutzer eigentlich gar nicht beabsichtigen – verbunden mit Gefühlen von Kontrollverlust oder Abhängigkeit. Solche Erfahrungen könnten das subjektive Empfinden befeuern, von Facebook „süchtig“ zu sein, heißt es in den Unterlagen.
Die Forscher regten an, externe Experten einzubeziehen, um der Untersuchung mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Diskutiert wurde unter anderem eine Zusammenarbeit mit Tristan Harris, Gründer des Center for Humane Technology. Intern gab es jedoch Bedenken, externe Fachleute könnten Änderungen empfehlen, die Produktteams nicht umsetzen wollten.
Ein begleitendes Dokument verweist zudem auf kommunikative Überlegungen: Ein Audit könne helfen, extremen Vorwürfen – etwa, Facebook streue „Verhaltenskokain“ über seine Produkte – entgegenzutreten und möglicher Regulierung zuvorzukommen. Gleichzeitig wurde auf mögliche Nachteile wie sinkende Nutzerbindung hingewiesen.
Letztlich wurde das vorgeschlagene Audit nicht umgesetzt. Meta betont jedoch, man habe andere Studien durchgeführt. Eine 2019 veröffentlichte Untersuchung unter 20.000 Nutzern ergab, dass rund drei Prozent der US-Anwender eine „problematische Nutzung“ zeigten – besonders häufig Jugendliche und junge Erwachsene.
In den Folgejahren führte Meta Funktionen wie „Take a Break“-Hinweise, Zeitlimits und spezielle „Teen Accounts“ mit standardmäßigen Schutz- und Privatsphäre-Einstellungen ein. Meta weist die Vorwürfe zurück, seine Plattformen bewusst suchtfördernd gestaltet zu haben.
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