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Internationaler Tag der Suizidprävention: Mehr Hilfsangebote gefordert

GoranH (CC0), Pixabay
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Suizid gehört nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland und stellt ein drängendes gesellschaftliches Problem dar. Zum heutigen Internationalen Tag der Suizidprävention ruft die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen (PKN) dazu auf, die Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen deutlich zu stärken. Besonders gefährdete Gruppen benötigen dringend mehr Unterstützung, um Suizide und Suizidversuche zu verhindern.

Vulnerable Gruppen im Fokus

„Menschen in Krisensituationen handeln oft impulsiv, und in den meisten Fällen geht einem Suizid eine psychische Erkrankung voraus“, erklärte Kristina Schütz, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen. Besonders vulnerable Gruppen, wie Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Erkrankungen, seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Auch Jugendliche, ältere Menschen, Menschen in finanziellen oder sozialen Notlagen sowie Personen, die unter chronischen Schmerzen leiden, gehören zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

Die PKN fordert daher den Ausbau von Behandlungskapazitäten, um Betroffenen schneller und effektiver helfen zu können. „Die Wartezeiten auf Therapieplätze sind vielerorts immer noch zu lang, was in akuten Krisensituationen lebensgefährlich sein kann“, so Schütz. Neben der Verbesserung der Versorgungslage seien auch niedrigschwellige Angebote wie Krisenhotlines, Online-Beratungen und Anlaufstellen vor Ort essenziell, um Menschen in Not schnell und unkompliziert zu erreichen.

Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Neben der Verbesserung der therapeutischen Versorgung betont die Psychotherapeutenkammer die Bedeutung von Präventionsarbeit. „Suizidprävention ist eine Aufgabe, die uns alle betrifft“, erklärte Schütz. Es brauche mehr Aufklärung über psychische Erkrankungen, um Vorurteile und Stigmatisierung abzubauen. Viele Betroffene scheuen sich, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil sie Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung haben. „Nur wenn wir psychische Gesundheit genauso selbstverständlich behandeln wie körperliche Gesundheit, können wir langfristig etwas verändern“, so Schütz.

Die Kammer fordert zudem, dass Präventionsarbeit bereits in Schulen und Bildungseinrichtungen beginnt. Kinder und Jugendliche sollten frühzeitig lernen, über ihre Gefühle zu sprechen und Hilfe zu suchen, wenn sie sich in einer schwierigen Situation befinden. Auch Arbeitgeber könnten durch betriebliche Gesundheitsprogramme und Sensibilisierungskampagnen einen wichtigen Beitrag leisten.

Erschreckende Zahlen: Suizide in Deutschland

Die Dringlichkeit dieser Forderungen wird durch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts untermauert. Im Jahr 2023 nahmen sich rund 10.300 Menschen in Deutschland das Leben – das sind mehr als dreimal so viele Todesfälle wie durch Verkehrsunfälle. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Suizide um 1,8 Prozent, im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre sogar um 6,6 Prozent. Besonders alarmierend ist die hohe Dunkelziffer: Neben den dokumentierten Suiziden gibt es jährlich über 100.000 Suizidversuche, die oft mit schweren körperlichen und seelischen Folgen für die Betroffenen einhergehen.

Forderungen an Politik und Gesellschaft

Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen appelliert an die Politik, die Suizidprävention stärker in den Fokus zu rücken. Konkret fordert die Kammer:

  • Ausbau von Therapieplätzen: Die Wartezeiten auf psychotherapeutische Behandlungen müssen deutlich verkürzt werden, um Betroffenen in akuten Krisen schnell helfen zu können.
  • Niedrigschwellige Angebote: Es braucht mehr Krisenhotlines, Online-Beratungen und Anlaufstellen, die rund um die Uhr erreichbar sind.
  • Schulungen für Fachkräfte: Ärzte, Lehrer, Sozialarbeiter und andere Berufsgruppen sollten besser im Umgang mit suizidgefährdeten Menschen geschult werden.
  • Aufklärungskampagnen: Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsprogramme müssen dazu beitragen, das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu stärken und Stigmatisierung abzubauen.
  • Kriseninterventionsstellen: In jeder Region sollten spezialisierte Einrichtungen geschaffen werden, die Menschen in akuten Notlagen sofort unterstützen können.

Gemeinsam Leben retten

Der Internationale Tag der Suizidprävention erinnert daran, dass Suizid kein Tabuthema sein darf. Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten, sei es durch Aufmerksamkeit, Empathie oder das offene Gespräch über psychische Gesundheit. „Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind“, betonte Schütz.

Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen wird sich auch weiterhin für eine bessere Versorgung und Prävention einsetzen. Ziel ist es, nicht nur die Zahl der Suizide zu senken, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung psychischer Gesundheit nachhaltig zu stärken. Denn jeder Suizid ist einer zu viel – und jedes gerettete Leben zählt.

 

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