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Influencer-Kodex mit 600.000-Euro-Filter

odioso (CC0), Pixabay
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Schluss mit #ad auf halber Transparenz-Stufe und Influencer-Drama ohne Drehbuch: Italien hat genug vom Social-Media-Zirkus und führt den „Kodex Influenzialis“ ein – eine Art Benimm-Bibel für alle, die Likes wie Luft zum Atmen brauchen.

Ab sofort gilt: Wer mehr Follower hat als Einwohner in einem italienischen Bergdorf (also mindestens 500.000) oder Videos dreht, die öfter geklickt werden als der neue Papstsegen, darf sich künftig wie ein Fernsehsender fühlen – mit allen rechtlichen Konsequenzen. Denn wie heißt es so schön: Große Reichweite bringt große Verantwortung. Oder zumindest hohe Bußgelder.

Von Gucci zu Gesetzbuch: Ferragni als Auslöserin

Auslöserin des digitalen Donnerschlags ist keine Geringere als Chiara Ferragni, Influencer-Queen, Modeikone und laut Boulevardpresse auch bekennende Pandoro-Verschenkerin. Ihr „Pandoro-Gate“ – ein zuckriges PR-Desaster mit versprochenen, aber nicht angekommenen Spenden – sorgte für kollektive Gesichtspalmen in ganz Italien. Ergebnis: Eine siebenstellige Geldstrafe und ein neuer Kodex, der Influencer künftig daran erinnert, dass Gier keine Filterfunktion ist.

Ferragni hatte offenbar versucht, Weihnachtskuchen und Ostereier als Wohltätigkeits-Snacks zu vermarkten – nur leider ohne den Wohltätigkeits-Teil. Die Spenden gingen ungefähr so weit wie ein „Swipe-up“ ins Nichts. Die Quittung: Strafzahlung, Shitstorm und die digitale Rückstufung von „Ikone“ zu „Marketingfall“.

Kodex statt Chaos: Influencer, bitte einmal anmelden

Der neue Kodex verpflichtet jetzt alle Content-Götter, sich in ein offizielles Influencer-Register einzutragen. Wer meint, das sei übertrieben, dem drohen bis zu 600.000 Euro Geldstrafe – genug, um gleich ein neues Luxus-Resort auf Sardinien zu gründen. Besonders streng wird’s bei Themen wie Kinderschutz, Hassrede und Copyright – also bei all dem, was zwischen einem Beauty-Filter und dem nächsten Energy-Drink-Code gerne mal vergessen wird.

AGCOM, Italiens Kommunikationsaufsicht und neuer Erzfeind der Filterfraktion, sieht in dem Kodex einen „modernen und vernünftigen Schritt“. Übersetzt heißt das wohl: „Wir haben die Schnauze voll von Zuckerwatte-PR mit Betrugsbeigeschmack.“

Ferragni und das Influencer-Armageddon

Während Ferragni noch an der Rückgewinnung ihrer Reputation bastelt und Werbedeals wie fallende Dominosteine kollabieren, freut sich die italienische Regierung: Endlich ein Kodex, der Clicks nicht mit Charakter verwechselt. Der Influencer-Markt brummt mit fast 400 Millionen Euro Volumen – höchste Zeit also, das Geschäft mit der Selbstinszenierung etwas weniger selbst- und mehr fremdbestimmt zu machen.

Der Rest Europas schaut zu und fragt sich: Wird Deutschland nun auch bald ein Register für Influencer einführen? Oder bleibt’s bei DSGVO-Strafen und Bauchgefühl?

In Italien jedenfalls gilt jetzt: Wer viral geht, sollte auch rechtlich up to date sein. Andernfalls droht der schlimmste aller Influencer-Albträume – Offline gehen.

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