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In ICE-Haft gefangen: Vater darf sterbenden, schwerbehinderten Sohn nicht verabschieden

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Als Wael Tarabishi am 23. Januar im Alter von 30 Jahren starb, war sein Vater Maher Tarabishi nicht an seiner Seite. Der Mann, der sein Leben lang der alleinige Pfleger seines schwerbehinderten Sohnes war, sitzt seit Oktober 2025 in einer Haftanstalt der US-Einwanderungsbehörde ICE in Texas. Trotz wiederholter Bitten der Familie wurde ihm die temporäre Freilassung verweigert – selbst für einen letzten Abschied oder die Beerdigung seines Sohnes.

Wael litt an der seltenen Pompe-Krankheit, einer erblich bedingten Stoffwechselerkrankung, die zu fortschreitender Muskelschwäche und schweren Herzproblemen führt. Sein Vater war nicht nur Bezugsperson, sondern auch medizinisch geschult in der täglichen Pflege, der Medikamentengabe und der Ernährung über eine Sonde.

Vergebliche Bitten an ICE

Die Familie hatte gehofft, Maher Tarabishi könne zumindest unter Aufsicht freigelassen werden, um bei seinem Sohn zu sein – zunächst zur Pflege, später wenigstens zum Abschiednehmen. Laut seinem Anwalt Ali Elhorr lehnte ICE beide Anträge ab.

„Diese Entscheidung zeigt eine zutiefst erschütternde Abwesenheit von Menschlichkeit“, erklärte Elhorr.
„Maher wurde selbst der Möglichkeit beraubt, seinem Sohn Lebewohl zu sagen.“

Die Familie erklärte, das Verbot, den eigenen Sohn zu beerdigen, verschärfe das Leid der vergangenen Monate zusätzlich.

Allein gelassen ohne den wichtigsten Menschen

Nach Angaben der Familie verschlechterte sich Waels Gesundheitszustand deutlich, nachdem sein Vater in Haft genommen worden war. Maher Tarabishi war derjenige, der Warnzeichen erkannte, Medikamente anpasste und im Notfall sofort reagieren konnte.

„Er wusste genau, was zu tun ist, wenn Waels Fieber steigt“, sagte Shahd Arnaout, die Schwägerin des Verstorbenen.
„Ohne ihn mussten wir Ärzte konsultieren, während jede Minute zählte.“

Wael wurde im November mit Sepsis und Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert, im Dezember folgten weitere lebensbedrohliche Komplikationen. Er verbrachte seine letzten Wochen auf der Intensivstation eines Krankenhauses nahe Dallas.

Sein letzter Wunsch war es, seinen Vater noch einmal zu sehen.

Festnahme bei routinemäßigem Termin

Maher Tarabishi war im Oktober während eines routine­mäßigen Meldetermins bei der Einwanderungsbehörde in Dallas festgenommen worden. Er lebte seit 1994 in den USA, war als IT-Ingenieur tätig und hatte seine Arbeit 2019 aufgegeben, um seinen Sohn rund um die Uhr zu pflegen.

Bereits 2006 war zwar eine Abschiebungsanordnung gegen ihn erlassen worden, diese wurde jedoch über Jahre ausgesetzt, da er als alleiniger Betreuer seines Sohnes galt. Er erschien regelmäßig zu allen vorgeschriebenen Terminen bei ICE.

Nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums sei Maher jedoch seit Jahrzehnten „illegal“ im Land gewesen. Zudem bezeichnete eine Sprecherin des Ministeriums ihn als „selbst bekennendes Mitglied der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO)“. Die Familie weist diesen Vorwurf entschieden zurück.

Rechtliche Zweifel und neuer Antrag

Der Anwalt der Familie hat inzwischen beantragt, den Fall neu aufzurollen, nachdem bekannt wurde, dass der ursprüngliche Asylantrag von einer Person gestellt wurde, die illegal als Anwalt tätig war. Wie schnell über Mahers Abschiebung entschieden wird, ist derzeit unklar.

Menschlichkeit versus Migrationspolitik

ICE-Richtlinien sehen grundsätzlich vor, dass Inhaftierte begleitete Ausgänge erhalten können, um schwerkranke Angehörige zu besuchen oder an Beerdigungen teilzunehmen. Warum diese Regelung im Fall der Familie Tarabishi nicht angewandt wurde, bleibt bislang unbeantwortet. Das Heimatschutzministerium äußerte sich nicht konkret zu den Gründen der Ablehnung.

Für die Familie ist das Ergebnis bitter:

„Sein Vater war der Mensch, der ihm Sicherheit gegeben hat“, sagte Arnaout.
„Als er weg war, hatte Wael das Gefühl, dass er nicht mehr geschützt ist.“

Ein Tod ohne Abschied

Wael Tarabishi wird nun beerdigt – ohne seinen Vater. Maher Tarabishi befindet sich weiterhin in ICE-Gewahrsam.

Der Fall wirft erneut grundsätzliche Fragen auf:
Wie viel Raum bleibt für Menschlichkeit im US-Einwanderungssystem?
Und wo liegt die Grenze zwischen Rechtsdurchsetzung und humanitärer Verantwortung?

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