Die Grippe-Impfbereitschaft in Deutschland ist auf einem historischen Tiefpunkt angekommen. Nach aktuellen Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) haben sich in der laufenden Saison nur noch 34 Prozent der über 60-Jährigen gegen Influenza impfen lassen. Damit ist die Impfquote bei älteren Menschen so niedrig wie seit Beginn der jährlichen RKI-Erhebungen vor 17 Jahren nicht mehr.
Besonders problematisch ist dieser Rückgang, da Menschen ab 60 Jahren zu den wichtigsten Risikogruppen zählen. Bei ihnen verlaufen Grippeinfektionen häufiger schwer, führen öfter zu Krankenhausaufenthalten und können im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Gerade für diese Altersgruppe empfiehlt das RKI die jährliche Grippeimpfung ausdrücklich.
Nicht nur bei den Senioren sieht das RKI Nachholbedarf. Insgesamt hielten zu wenige Erwachsene in Deutschland ihre Impfungen auf dem empfohlenen Stand. Dazu zählen neben der Grippe auch Auffrischungen gegen Tetanus, Diphtherie oder Keuchhusten. Fachleute warnen, dass Impflücken das Risiko für Krankheitsausbrüche erhöhen – insbesondere in Zeiten, in denen Atemwegserkrankungen wie Influenza, Corona und RSV parallel zirkulieren.
Ein Lichtblick zeigt sich hingegen bei den Jüngsten: Kinder weisen weiterhin vergleichsweise hohe Impfquoten auf. Hier greifen offenbar die etablierten Vorsorgeuntersuchungen und Impfempfehlungen, die frühzeitig und regelmäßig in Anspruch genommen werden.
Der Rückgang der Impfquote kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In mehreren Regionen Deutschlands – darunter auch Teile Ostdeutschlands – hat die Grippewelle bereits ungewöhnlich früh begonnen. Expertinnen und Experten befürchten, dass eine niedrige Impfbereitschaft bei Erwachsenen zu mehr Krankheitsfällen, stärkeren Belastungen des Gesundheitssystems und mehr schweren Verläufen führen könnte.
Das RKI appelliert daher erneut an die Bevölkerung, insbesondere an ältere Menschen und chronisch Kranke, die jährliche Grippeimpfung wahrzunehmen. Sie gilt als wichtigste Maßnahme, um schwere Erkrankungen und Komplikationen zu verhindern – auch wenn sie nicht in jedem Fall eine Infektion vollständig ausschließt.
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