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Immigranten in den USA greifen zu ungewöhnlichen Mitteln, um Abschiebungskosten zu decken

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Immer mehr Immigrantinnen und Immigranten in den USA sehen sich gezwungen, online Spenden zu sammeln, um die hohen Kosten für rechtlichen Beistand im Abschiebungsverfahren zu finanzieren. Plattformen wie GoFundMe oder sogar OnlyFans dienen als letzte Hoffnung, um Anwälte zu bezahlen oder Kautionen zu hinterlegen.

So zeigt ein Beispiel aus dem Bericht der USA TODAY eine ehemalige kolumbianische Model, das auf OnlyFans intime Bilder veröffentlicht, um Geld für ihre Verteidigung zu sammeln. Sie sitzt inzwischen in einem Abschiebezentrum des ICE in Louisiana, während ihr Ehemann versucht, mit Spendenaktionen online ihre Situation zu verbessern. Gemeinsam haben sie auch Inhalte aus ihrem Privatleben veröffentlicht – eine Entscheidung, die ihnen nicht leicht fiel, aber notwendig wurde, um die hohen Ausgaben zu decken.

Online-Spendenkampagnen als Rettungsanker

Eine Auswertung von GoFundMe zeigt: Seit 2017 wurden über die Plattform mehr als 1,8 Millionen Dollar für Abschiebungsfälle gesammelt, allein in den Monaten Juni und Juli 2023 rund 1,7 Millionen Dollar – ein starker Anstieg im Vergleich zu den Vormonaten. Die Zahlen steigen im Gleichschritt mit der verschärften Einwanderungspolitik und verstärkten ICE-Razzien.

Die Geschichten hinter den Kampagnen sind vielfältig:

  • Eine Studentin aus Kalifornien sammelte innerhalb einer Woche über 6.700 Dollar.

  • Ein Bauunternehmer aus Vermont erhielt fast 37.000 Dollar.

  • Ein Weinbauer aus Oregon brachte mehr als 150.000 Dollar zusammen, nachdem seine Frau während eines Green-Card-Interviews verhaftet wurde.

Mehr als nur Fälle – Familien in der Krise

Die Realität vieler Betroffener steht im krassen Gegensatz zur Darstellung durch die Behörden: Während das US-Heimatschutzministerium (DHS) in sozialen Medien gerne Verhaftungen als „Erfolg im Kampf gegen illegale Kriminalität“ darstellt, zeigen unabhängige Studien, dass die Mehrheit der Festgenommenen keine schweren Straftäter sind.

Oft geraten Menschen in Abschiebehaft, die lediglich eine abgelaufene Aufenthaltsgenehmigung haben oder sich in laufenden Verfahren befinden. Selbst kleinere Verkehrsdelikte können zu einer Verhaftung durch ICE führen.

Verzweiflung führt zu mutigen Entscheidungen

Die kolumbianische Frau, deren Geschichte im Mittelpunkt steht, wurde wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss festgenommen – obwohl sie sich legal mit einem Touristenvisum im Land aufhielt und über ihren US-amerikanischen Ehemann eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt hatte. Seither kämpft sie gegen die Abschiebung – unterstützt von ihrem Mann, der bereits über 15.000 Dollar für Anwälte und Formalitäten aufbringen musste. Fahrten mit Uber reichen nicht aus, daher suchen sie alternative Einnahmequellen.

Ihr OnlyFans-Account mit dem Namen „The Blonde That Shouldn’t Get Deported“ dokumentiert die schwierige Lage: Was einst als Liebesbeweis begann, ist nun eine Einnahmequelle geworden.

„Manchmal bin ich voller Hoffnung“, sagt sie in einem Videoanruf. „Aber dann verliere ich den Mut.“ Ein Foto auf ihrem Account zeigt sie an einem Fluss, lächelnd im Bikini – mit der Unterschrift: „So sah Freiheit aus, bevor ich eingesperrt wurde.“

Eine Welle der Solidarität – trotz politischer Spannungen

Trotz politisch gespaltener Öffentlichkeit – etwa in Regionen mit hohem Zuspruch für ehemalige Präsidenten wie Donald Trump – erleben viele Fundraiser eine Welle der Unterstützung, oft getragen von kleinen Spendern.

Ein Beispiel: Eine gemeinnützige Organisation in Kentucky konnte innerhalb von 48 Stunden über 20.000 Dollar sammeln, um einem festgenommenen Schüler zu helfen.


Fazit:
Die Geschichten von Migrantinnen und Migranten in den USA, die öffentlich um Hilfe bitten, zeigen ein wachsendes soziales Phänomen: Zwischen Hoffnung, Verzweiflung und digitalem Mut kämpfen Familien mit allem, was sie haben – auch mit ihrem eigenen Bild im Netz –, um rechtlich in den USA bleiben zu dürfen.

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